Flughafen Berlin-Schönefeld Bundeswehr-Jet entgeht nur knapp einem Unglück

  • Kurz nach dem Start verlor die Crew eines Jets der Flugbereitschaft die Kontrolle über das Flugzeug und musste unter größten Schwierigkeiten wieder in Schönefeld landen.
  • Die Besatzung wurde nicht verletzt, Passagiere waren nicht an Bord.
  • Der Vorfall reiht sich in eine ganze Serie an Pannen bei der Flugbereitschaft der Bundeswehr ein.
Von Mike Szymanski, Berlin

Die Flugbereitschaft der Bundeswehr ist nur knapp einem Unglück entgangen. Die Crew eines Jets vom Typ Global 5000, mit dem häufig Regierungsmitglieder und Parlamentarier unterwegs sind, hat kurz nach dem Start am Flughafen Berlin-Schönefeld am Dienstag die Kontrolle über das Flugzeug verloren. Das Flugzeug kippte nach rechts und nach links weg. Oberstleutnant Stefan Schipke von der Flugbereitschaft sprach von "unkontrollierten Flugbewegungen". Die Besatzung hatte Mühe, umzukehren und den Jet sicher zu landen. Im Landeanflug schrammte das Flugzeug mit beiden Tragflächen über den Boden.

Nur dem fliegerischen Können der Piloten sei zu verdanken, dass nicht mehr passiert ist. An diesem Mittwoch hätte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit diesem Flugzeug von Berlin nach Stuttgart gebracht werden soll. Der General Flugsicherheit hat die Ermittlungen in diesem Fall übernommen. Der Luftwaffe lagen nach Angaben von Schipke am Dienstag noch keine Erkenntnisse vor, was die Probleme verursacht hatte. Die Welt berichtete, es hätte eine Sicherheitswarnung für diesen Flugzeug-Typ gegeben, Risse im Leitwerk betreffend. Die Bundeswehr räumte ein, dass dies bekannt gewesen sei. Das Flugzeug kam aber frisch aus der Wartung - weshalb Schipke davon ausgeht, dass auch dies dabei überprüft worden sei.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte: "Ich habe hohen Respekt vor der fliegerischen Leistung der Luftwaffenbesatzung. Sie hat es geschafft, den Jet unter schwierigsten Bedingungen zu Boden zu bringen und damit Schlimmeres zu verhindern. Jetzt muss die Ursache der technischen Probleme zügig aufgeklärt werden."

Um 8.40 Uhr meldete die Crew erste Schwierigkeiten bei der Steuerung des Fliegers. Um 9.07 Uhr setzte der Jet zur Notlandung an. Die Maschine blieb zunächst auf der Piste stehen. Starts wurden gestoppt, Maschinen im Anflug auf den zweiten Berliner Flughafen Tegel und später auch nach Leipzig und Hamburg umgeleitet. Von dem Zwischenfall waren im Osterreiseverkehr 2300 Passagiere betroffen. Die Besatzung des Global-Jets blieb nach Angaben der Luftwaffe unverletzt, wurde aber vorsorglich zur Untersuchung ins das Bundeswehrkrankenhaus in Berlin gebracht.

Die Maschine des kanadischen Flugzeugherstellers Bombardier kam gerade aus der routinemäßigen Wartung. Sie war zur großen Instandsetzung in der Werkstatt, die alle 30 Monate durchgeführt wird. Planmäßig sollte der Jet am Dienstag nach Köln überführt werden, wo die Flieger der Flugbereitschaft stationiert sind. Deshalb waren auch keine anderen Passagiere an Bord. Die Flugbereitschaft hat vier Maschinen vom Typ Global 5000 im Einsatz, zwei sind wegen Wartungs- und Umrüstungsarbeiten derzeit außer Betrieb. Noch dem Vorfall steht nur noch eine Maschine zur Verfügung. Die Jets sind mit einer VIP-Kabine für kleinere Delegationen von bis zu 13 Personen ausgestattet.

Pannenserie bei der Flugbereitschaft der Bundeswehr setzt sich fort

Die Pannenserie bei der Flugbereitschaft der Bundeswehr setzt sich mit dem Vorfall fort. Kanzlerin Angela Merkel war Ende November mit dem Langstreckenflieger Konrad Adenauer auf dem Weg zum G20-Gipfel in Argentinien gestrandet. Das war die schwerste Panne bei einem Regierungsflug in den letzten Jahren. Ein defektes Bauteil - eine zentrale Schalteinheit in der Bordelektronik - hatte gleich zwei Funksysteme lahmgelegt, die sich im Notfall gegenseitig ersetzen sollen. In anderen Fällen waren Schwierigkeiten vor dem Start oder bei der Landung aufgetaucht. Ende Februar saß Außenminister Heiko Maas in Mali fest. Im Januar war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Äthiopien betroffen, kurz davor Entwicklungsminister Gerd Müller in Malawi.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gab im Februar die Beschaffung von drei neuen Langstreckenmaschinen in Auftrag. Die Flugbereitschaft hat insgesamt 14 teils recht alte Flugzeuge, die für Flüge von Kabinettsmitgliedern oder des Bundespräsidenten eingesetzt werden. Vor allem die beiden Langstreckenflieger bereiteten Probleme. Von 2020 an sollen drei Flieger vom Typ Airbus A350-900 die Flotte der Flugbereitschaft verstärken. Für 1,2 Milliarden Euro sollen damit ältere Flugzeuge abgelöst werden. Anders als früher, als die Bundeswehr gebrauchte Maschinen gekauft hatte, handelt es sich dieses Mal um fabrikneue Flugzeuge. Der erste neue Airbus soll ab Mitte 2020 zur Verfügung stehen.