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Flüchtlingstransport:Schlepperbande für Dutzende weitere Taten verantwortlich

Dead refugees found in a truck in Austria

Der Autobahnabschnitt auf der A4 nahe Wien, auf dem im August vergangenen Jahres 71 tote Flüchtlinge in einem Lkw gefunden worden waren.

(Foto: Roland Schlager/dpa)
  • Neue Erkenntnisse zu den Hintergründen der Flüchtlingstragödie bei Parndorf: Nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR soll dieselbe Schlepperbande für etwa 30 weitere Schleusungsfahrten verantwortlich sein.
  • Erstmals äußert sich ein Mitglied der Bande.
  • Beteiligte Ermittler sagen: Die Bande habe nach schnellen Profiten gestrebt und den enormen Flüchtlingsandrang im vergangenen Jahr genutzt.

Ein Jahr nach dem tragischen Tod von 71 Flüchtlingen, die in einem Kühl-Lkw auf einer Autobahn in Österreich aufgefunden wurden, sind nun neue Erkenntnisse zu den Hintergründen der Tat bekannt geworden. Nach Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR soll dieselbe Schlepperbande für etwa 30 weitere Schleusungsfahrten verantwortlich sein. Der Präsident der Bundespolizei Dieter Romann bestätigte darüber hinaus, dass 13 dieser Fahrten einen unmittelbaren Deutschlandbezug gehabt hätten: "Eine davon war ebenfalls eine Großschleusung mit 81 Personen". Dieser Lkw war von Bundespolizisten in Sachsen entdeckt worden, neun Tage vor der Todesfahrt nach Österreich.

Mit der SZ, NDR und WDR hat nun erstmals ein Mitglied der Bande gesprochen. Demnach habe die Gruppe anfänglich Lkw mit Planen zum Transport der Menschen genutzt. "Aber während der Fahrt haben die Flüchtlinge die Planen oft zerschnitten", deshalb sei man auf geschlossene Lkw mit Metallaufbau umgestiegen, sagte Ilmaz A., der wegen gewerbs -und bandenmäßigen Schleusens zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde und derzeit in der JVA Bautzen einsitzt. Er war derjenige, der den LKW mit 81 Menschen nach Sachsen gefahren hatte.

Auch während seiner Fahrt trommelten die verzweifelten Flüchtlinge gegen die Wände des Lkw, berichtet Ilmaz A.: "Als ich das Klopfen hörte, habe ich sofort meinen Chef angerufen. Der hat gesagt, dass ich die Fahrt fortsetzen soll".

Anklage in Ungarn

Die Bande habe nach schnellen Profiten gestrebt und den enormen Flüchtlingsandrang im vergangenen Jahr genutzt, erzählen beteiligte Ermittler. Das Leben der Geschleusten habe für die Gruppe dabei bestenfalls eine Nebenrolle gespielt. So sollen die Schleuser im Fall des in Österreich aufgefundenen Lkw anfänglich sogar versucht haben, noch deutlich mehr Flüchtlinge in den Lkw zu pressen. Im Herbst soll in Ungarn gegen sechs mutmaßliche Schleuser Anklage erhoben werden.

© SZ.de/vit
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