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Brand in Moria:Griechische Regierung: Fünf Tatverdächtige festgenommen

Men make their way at the destroyed Moria camp for refugees and migrants, on the island of Lesbos

Das Lager Moria auf der Insel Lesbos ist durch Feuer komplett zerstört worden.

(Foto: REUTERS)

Nach einer weiteren Person werde im Zusammenhang mit der mutmaßlichen Brandstiftung auf der Insel Lesbos gefahndet. Tausende auf den Straßen ausharrende Geflüchtete weigern sich, in ein neu errichtetes Behelfslager zu ziehen. Sie fürchten, dass die Bedingungen dort so schlecht sein könnten wie im niedergebrannten Moria.

Die griechische Polizei hat nach der Zerstörung des Flüchtlingslagers Moria durch mutmaßliche Brandstiftung nach Regierungsangaben fünf Tatverdächtige festgenommen. Nach einer weiteren Person werde gefahndet, teilte der Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, am Dienstag mit. "Es sind junge Migranten." Weitere Angaben machte er nicht. Medienberichten zufolge sind zwei der Festnahmen nicht auf Lesbos, sondern in Nordgriechenland erfolgt, wohin die minderjährigen Tatverdächtigen Polizeikreisen zufolge ausgeflogen worden seien.

Das Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos war in der vergangenen Woche komplett niedergebrannt. Zuvor hatten mehr als 12 000 Geflüchtete unter unmenschlichen Bedingungen in dem für nur 3000 Menschen ausgelegten Lager gehaust. Zuletzt hatte ein Lockdown wegen mehrerer Corona-Fälle im Lager die Situation verschlechtert. Erste Berichte deuteten darauf hin, dass an verschiedenen Stellen des Lagers womöglich aufgrund von Brandstiftung Feuer ausbrachen. Seit dem Brand leben die meisten ehemaligen Lagerinsassen auf den Straßen von Lesbos, es fehlt an Wasser und Nahrungsmitteln.

Nur wenige Hundert sind in ein eilig von der Regierung neu errichtetes Lager gezogen. Tausende weitere weigern sich, die neuen Behelfsunterkünfte zu beziehen. Sie fürchten, dass in dem neuen Lager die Lebensbedingungen genauso schlecht sind wie in Moria und hoffen, dass sie von der Insel herunterkommen. Es kursieren Berichte, dass man in dem neuen Lager eingesperrt werde und beispielsweise Mobiltelefone abgenommen bekomme.

In ein neues vorläufiges Lager in der Region Kara Tepe, das bereits mit 5000 Betten ausgestattet ist und erweitert wird, hätten bislang nur 1000 Migranten gehen wollen, teilte die Regierung mit. "Niemand wird Lesbos verlassen, ohne vorher in dem Übergangslager gewesen zu sein", sagte Bürgerschutz-Minister Michalis Chrysochoidis im Hörfunksender Skai. "Wir haben sie informiert, dass sie in die Einrichtung gehen müssen, aber sie lehnen das ab", sagte ein Polizeivertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, der Agentur Reuters. "Sie wollen die Insel verlassen."

Die Bundesregierung ist bereit, weitere 1500 Geflüchtete aus Griechenland nach Deutschland einreisen zu lassen. Wie die Süddeutsche Zeitung aus Regierungskreisen erfuhr, geht es um 400 Familien, deren Asylverfahren bereits abgeschlossen ist und die als schutzberechtigt anerkannt sind. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat dem Vorschlag zugestimmt. Er soll am Dienstagabend der Unionsfraktion im Bundestag unterbreitet werden.

Am Wochenende hatte Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis erklärt, in jedem Fall werde auch ein dauerhaftes Auffanglager für Geflüchtete auf Lesbos errichtet, das das zerstörte Lager Moria ersetzen solle. Dies war ursprünglich für etwa 2800 Menschen konzipiert worden. Lesbos liegt nahe der türkischen Küste, weshalb dort viele Menschen auf der Flucht stranden.

© SZ.de/rtr/jsa
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Von Tobias Zick

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