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Migration:Für Afrikaner führt kaum ein Weg nach Deutschland

Zuwanderung aus Afrika nach Deutschland

Im Wartebereich der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Berlin: Afrikaner kommen zum großen Teil als Asylbewerber nach Deutschland, andere legale Möglichkeiten sind begrenzt.

(Foto: imago stock&people via www.imago-images.de/imago images/IPON)

Afrika ist der ärmste Nachbar Europas. Doch von dort stammt nach aktuellen Zahlen nur ein sehr geringer Teil der Zuwanderer, die ins Land kommen. Den Menschen lägen "oft unüberwindbare Steine im Weg", kritisiert die Grünen-Abgeordnete Polat.

Von Jan Bielicki

Obwohl Afrika der ärmste Nachbar Europas ist und in manchen Regionen des Kontinents heftige Konflikte toben, stammt bisher nur ein sehr geringer Teil der Zuwanderer, die nach Deutschland kommen, von jenseits des Mittelmeers. Allerdings ist die Zahl der afrikanischen Flüchtlinge im Land nach aktuellen Zahlen der Bundesregierung in den vergangenen fünf Jahren stark gestiegen.

Demnach lebten Ende 2020 etwa 123 000 Afrikaner in Deutschland, die hier als Flüchtlinge vor Krieg oder Verfolgung Aufnahme gefunden haben, ein Viertel von ihnen sind Kinder und Jugendliche. 2016 waren es erst 50 000. Zum Vergleich: Insgesamt sind im deutschen Ausländerzentralregister etwa 1,9 Millionen Flüchtlinge mit unterschiedlichem Schutzstatus registriert.

Mit diesen Zahlen hat die Bundesregierung nun eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Filiz Polat (Grüne) beantwortet. Die Antwort liegt der Süddeutschen Zeitung vor. Auffällig dabei ist, dass der Großteil dieser afrikanischen Flüchtlinge aus nur zwei Staaten kommt: 54 000 von ihnen, das sind etwa 44 Prozent, flohen vor dem brutalen Regime im nordostafrikanischen Eritrea nach Deutschland. 24 000 Menschen haben aus dem von Terror und Bürgerkrieg zerrissenen Somalia am Horn von Afrika den weiten Weg nach Deutschland gefunden.

Das freilich gelingt seit Ausbruch der Corona-Pandemie und der darauf folgenden Schließung vieler Grenzen nicht mehr vielen. 2020 erhielten etwa 12 000 Afrikaner einen Schutzstatus in Deutschland, so wenige wie seit 2016 nicht - und viele von ihnen dürften bereits ins Land gekommen sein, bevor das Virus Reisen fast unmöglich machte.

Jenseits des Asylverfahrens kaum legale Wege nach Deutschland

Insgesamt haben seit der Jahrtausendwende 172 000 Flüchtlinge aus Afrika hier Zuflucht und einen entsprechenden Aufenthaltstitel gefunden - viele von ihnen nur vorübergehend: Wie der Vergleich der Zahlen derer, die einen solchen Aufenthaltstitel erhielten, und derer, die damit tatsächlich hier leben, belegt, sind Zehntausende von ihnen offenbar wieder ausgereist.

Jenseits des Asylverfahrens bieten andere legale Wege Afrikanern weiterhin nur wenige Möglichkeiten, nach Deutschland zu kommen. So erteilten die deutschen Behörden seit 2005 lediglich knapp 38 000 Menschen eine Aufenthaltserlaubnis zur Aufnahme von Arbeit und nur 81 000 für ein Studium oder eine andere Ausbildung.

In 24 der 55 afrikanischen Staaten gibt es allerdings keine diplomatische Vertretung Deutschlands, die Visa ausstellen würde. In 26 Staaten gibt es keine Möglichkeiten den für Arbeits- oder Bildungsvisa notwendigen Deutschtest abzulegen. "Im Moment liegen den Menschen oft unüberwindbare Steine im Weg", kritisiert die Abgeordnete Polat und fordert: "Es braucht tatsächlich gangbare und faire Migrationswege nach Deutschland."

© SZ/gal
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