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Flüchtlingsabkommen:Türkischer Außenminister wirft EU Wortbruch vor

Türkei: Außenminister Mevlut Cavusoglu 2020 in Moskau

"Was ist mit der EU?" Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu klagt, dass sich die EU nicht an die Vereinbarungen des mit der Türkei geschlossenen Flüchtlingsabkommens halte.

(Foto: AP)
  • In einem Bild-Interview wirft der türkische Außenminister Çavuşoğlu Deutschland und der EU vor, sich nicht an die Vereinbarungen des Flüchtlingsabkommens zu halten.
  • Sein Land halte sich an den Deal und nehme "alle Flüchtlinge zurück", so der Minister. "Was ist mit der EU?"
  • Der Deal wurde 2016 geschlossen und besagt, dass die Türkei Geflüchtete aus der EU zurücknehmen muss und dafür unter anderem finanzielle Leistungen erhält.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hat vor dem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Istanbul der EU vorgeworfen, die im Flüchtlingsabkommen zugesagten Gelder nicht vollständig gezahlt zu haben. "Wir halten uns an das Abkommen und nehmen alle Flüchtlinge zurück, die zurückgeschickt werden. Was ist mit der EU?", sagte Çavuşoğlu der Bild. Merkel reist am Freitag zu einem offiziellen Besuch in die Türkei.

Die EU habe versprochen, Ende 2016 die ersten drei Milliarden Euro zu zahlen, Ende 2018 weitere drei, sagte der Minister und klagte: "Jetzt haben wir 2020, und wir haben noch immer nicht die ersten drei Milliarden Euro vollständig erhalten." Neben den finanziellen Zusagen seien auch andere Zusagen nicht erfüllt worden: "Es gab keine Erweiterung der Zollunion und auch kein neues Kapitel der EU-Beitrittsverhandlungen", kritisierte Çavuşoğlu. "Schon allein aus den Gründen", so der Minister, "hätten wir unsere Grenzen öffnen können." Trotz aller Kritik sei die Türkei aber für eine Fortsetzung des Abkommens.

Der Deal besagt, dass die EU Migranten in die Türkei zurückschicken darf

Im Zentrum des Flüchtlingsabkommens der EU mit der Türkei von 2016 steht ein Tauschhandel: Die EU darf Geflüchtete, die seit dem 20. März 2016 auf die griechischen Inseln übergesetzt haben, in die Türkei zurückschicken. Im Gegenzug kann für jeden in die Türkei zurückgeschickten Syrer seit dem 4. April 2016 ein anderer Syrer aus der Türkei legal in die EU kommen. Zudem wurden insgesamt sechs Milliarden Euro zur Verbesserung der Lebensbedingungen syrischer Flüchtlinge in der Türkei vereinbart. Auch hatte die EU der Türkei einen schnelleren Verzicht auf die Visapflicht in Aussicht gestellt.

Die EU verwies im vergangenen Herbst darauf, dass aus den zugesagten Mitteln bereits 5,8 Milliarden Euro zugewiesen seien. Jedoch seien erst 2,6 Milliarden ausgezahlt. EU-Mitarbeiter in der Türkei sagen, dass sie türkischen Offiziellen immer wieder sagen müssten, dass die Gelder projektgebunden und nicht für den Haushalt gedacht seien.

Das harte türkische Vorgehen nach dem Putschversuch 2016, die Einschränkung der Pressefreiheit, die Inhaftierung Oppositioneller und auch von Deutschen sowie Militärinterventionen der Türkei in Syrien haben die Beziehungen zwischen EU und Türkei schwer belastet.

© SZ.de/dpa/thba
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