bedeckt München 26°

Flüchtlinge:Mehr als 100 Menschen im Mittelmeer vermisst

´Ocean Viking" fährt mit 180 Migranten in Hafen in Sizilien

Die stundenlange Suche blieb vergebens: Die Mannschaft der "Ocean Viking", hier im Hafen von Porto Empedocle, fand am Donnerstag nur noch Tote im Wasser.

(Foto: Fabio Peonia/dpa)

Vor Libyen ereignet sich erneut ein Bootsunglück, Retter von SOS Méditerranée finden keine Überlebenden.

Bei einem schweren Bootsunglück vor Libyens Küste sind den UN zufolge bis zu 130 Migranten und Flüchtlinge gestorben. Zudem fehle von einem weiteren Boot auf dem Mittelmeer mit etwa 40 Menschen an Bord jede Spur, teilte Safa Msehli, Sprecherin der Internationalen Organisation für Migration (IOM), am Freitag in Genf mit.

Ein drittes Boot mit Migranten und Flüchtlingen sei von der Küstenwache Libyens abgefangen worden, die Menschen seien zurück in das nordafrikanische Land gebracht worden. "Die Menschlichkeit ist untergegangen", erklärte sie per Twitter. Man lasse die Menschen im Meer ertrinken. Die private Rettungsorganisation SOS Méditerranée hatte Alarm geschlagen, dass die Besatzung ihres Schiffes Ocean Viking am Donnerstag nach einem Notruf stundenlang nach einem Schlauchboot in Seenot gesucht habe. Schließlich hätten sich jedoch nordöstlich der libyschen Hauptstadt Tripolis nur noch Tote gefunden. In dem Schiff seien 130 Menschen gewesen, die versucht hatten, aus Libyen zu fliehen.

Reste des Schlauchbootes, in dem vermutlich mehr als 100 Migranten waren: Dieses Bild wurde von der "Ocean Viking" übermittelt.

(Foto: Flavio Gasperini/AP)

Die IOM-Sprecherin warf den europäischen Anrainerstaaten des Mittelmeers und Libyen vor, trotz der Notrufe nicht gehandelt zu haben. Die Staaten seien völkerrechtlich verpflichtet, Menschen in Seenot zur Hilfe zu kommen. Die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio reagierte am Freitag bestürzt auf das erneute "Drama" im Mittelmeer. Die Organisation appellierte an die zuständigen Behörden, alles zu tun, um in Seenot geratene Migranten zu retten. Zudem müssten mehr legale Einreisemöglichkeiten in die EU geschaffen werden.

Die privaten Seenotretter erheben schwere Vorwürfe

Auch SOS Méditerranée übte scharfe Kritik an den europäischen Staaten, die ihre Verantwortung, Such- und Rettungsaktionen zu koordinieren, ignorierten. Das Seenotrettungsbündnis Seebrücke erklärte, die europäischen und libyschen Behörden seien durch den Notruf der Organisation Alarm Phone genauso benachrichtigt worden wie die Ocean Viking, die EU-Grenzschutzagentur Frontex habe das Boot aus der Luft gesichtet. "Dies war kein Unfall, sondern ein politisch gewolltes Sterben." Bei der Rückführung des dritten Bootes nach Libyen seien eine Frau und ein Kind gestorben.

Zuletzt waren in der vergangenen Woche bei einem Schiffsunglück mit einem Migrantenboot vor der tunesischen Küste mindestens 41 Menschen ums Leben gekommen. Im Zentralen Mittelmeer sind in diesem Jahr nach UN-Angaben bislang knapp 360 Menschen gestorben. Viele Flüchtlinge versuchen mit der Fahrt in kleinen Booten über das Mittelmeer Italien zu erreichen. Die privaten Rettungsaktionen sind politisch umstritten.

© SZ/epd/kna/dpa/bac
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB