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Flüchtlinge:Italienische Marine birgt 217 Tote aus Schiffswrack

Mithilfe eines größeren Schiffs wurde das Wrack an die Küste von Sizilien gebracht.

(Foto: AP)
  • Bei den Leichen handelt es sich um Flüchtlinge, deren Boot im April 2015 gekentert war.
  • Augenzeugen zufolge waren 700 Menschen an Bord. Nur 28 Menschen haben überlebt.
  • Die Leichen werden jetzt auf Sizilien obduziert.

Die italienische Marine hat 217 Leichen aus dem Schiffswrack geborgen, das im April vor einem Jahr untergegangen war. Das Wrack war vergangene Woche vom Meeresgrund gehoben worden. Die Leichen, die mehr als ein Jahr in dem Schiff lagen, werden in Sizilien obduziert. Bisher seien 52 untersucht worden, heißt es in einer Mitteilung. Die Marine geht davon aus, dass sich weitere Tote in dem Wrack befinden.

Das Schiff war am 18. April 2015 vor der Küste Libyens gesunken. Bislang war auf Basis von Zeugenaussagen vermutet worden, dass sich zum Zeitpunkt des Kenterns ungefähr 700 Menschen an Bord befanden. Nach der Katastrophe wurden bereits etwa 170 Leichen geborgen. Nur 28 Menschen überlebten.

Bergung auf Geheiß Renzis

Das Unglück gilt als das bisher schlimmste im Mittelmeer. Wenige Wochen nachdem das Boot gekentert war, versprach der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi: "Wir holen die Opfer vom Meeresgrund! Wir werden das Schiff bergen. Wir werden es hochholen. Die ganze Welt muss sehen, was geschehen ist."

Für die Bergung wurde eine Spezialfirma engagiert, die mithlife von Hydraulikpumpen das Wrack an die Oberfläche holte. Die Bergungsarbeiten begannen im April dieses Jahres - ein Jahr nach dem Unglück.

Unfallursache unklar

Warum das Boot kenterte, ist noch immer nicht geklärt. Überlebende berichten, das völlig überladene Boot sei gekippt, als sich ihm ein Schiff genähert hatte, um den Passagieren aus Seenot zu helfen. Eine hohe Welle habe es zum Kentern gebracht. Die Staatsanwaltschaft von Catania nimmt an, dass der Kapitän des Flüchtlingsschiffs ein fehlerhaftes Manöver durchführte, woraufhin das Boot mit dem Schiff kollidierte.

© SZ.de/dpa/anri/kjan/jobr

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