bedeckt München 13°

Flüchtlinge in Spaniens Exklave Melilla:Tödlicher Panikausbruch

Dieses Mal verlief die Konfrontation im Grenzstreifen glimpflich. Menschenrechtsgruppen fordern die Europäische Union auf, sich der Kontrolle dieses neuralgischen Abschnitts ihrer Außengrenze anzunehmen. Das Argument: Die spanischen Grenztruppen schickten immer wieder afrikanische Flüchtlinge über Durchgänge in der Grenze zurück nach Marokko, obwohl EU-Recht eine individuelle Überprüfung jedes Asylbewerbers verlange. Als 2008 und 2012 mehrere Dutzend Flüchtlinge die Grenzanlagen überwunden hatten, seien fast alle sofort zurückgeschickt worden.

Grenzübergang Melilla Marokko

Bis zu sieben Meter hohe Zäune, Stacheldraht und ferngesteuerte Suchscheinwerfer: Melilla gilt als die am besten gesicherte Außengrenze des EU-Raumes

(Foto: AFP)

2005 hatte es an der Grenze sogar Todesopfer gegeben, als mehrere Hundert Afrikaner die damals noch nicht so hohen Zäune überklettern wollten. Als spanische Grenzer Warnschüsse abfeuerten, brach Augenzeugen zufolge unter den Flüchtlingen Panik aus, elf von ihnen fielen zu Boden und wurden von der nachdrängenden Menge zu Tode getrampelt. Laut Angaben von Menschenrechtsorganisationen transportierte damals das marokkanische Militär die Afrikaner mit Lastwagen in die Wüste und setzte sie dort aus. Die Regierung in Rabat bestritt allerdings diese Berichte.

In der Kommandantur von Melilla weist man die Kritik der Opposition an dem Einsatz vom April 2013 zurück. Grundsätzlich habe man die Lage im Griff. Das kleine Militärmuseum in der Festung über dem Hafen legt Zeugnis davon ab, dass sich die Garnison stets auf einem Vorposten sah, der das christliche Spanien schützen sollte. Die Stadt gehört seit 516 Jahren dazu. Auf dem katholischen Friedhof bilden vier Gewehre mit aufgepflanztem Bajonett ein großes Kreuz über dem Kriegerdenkmal. Die Vertreter der anderen Parteien im Stadtrat sowie die meisten Pressekommentare stellen sich hinter die Grenztruppe.

Interessant für den internationalen Handel

Die Stadt lebt vom Handel sowie der Unterstützung aus Madrid. Dazu gehört, dass sie von der Mehrwertsteuer für Konsumgüter befreit ist. Dies macht Melilla für den internationalen Handel interessant. Über den Hafen werden viele Güter aus der EU nach Marokko eingeführt und von dort in die ganze Welt weiterverkauft.

Für die 80.000 Einwohner sind diese Handelswege eine Überlebensgarantie: Ein Teil der marokkanischen Elite profitiert nämlich davon. Offiziell aber fordert das Nachbarland den Rückzug der Spanier von der nordafrikanischen Küste. Umfragen unter den muslimischen Einwohnern der Stadt, die etwas mehr als die Hälfte ausmachen, bestätigen aber, dass diese sich als Bürger Spaniens fühlen und keineswegs Marokkaner werden möchten.

Auch die Tageszeitung Melilla Hoy vertritt diese Position, ihr Chefredakteur ist Muslim, seine Vertreter sind Katholiken. Die EU verspricht Stabilität, die Umstürze und Kriege der vergangenen Jahre in Nordafrika und im Nahen Osten haben der Zeitung zufolge das Loyalitätsgefühl der muslimischen Einwohner gegenüber Spanien noch verstärkt.

Zur SZ-Startseite