Flüchtlinge in der ArktisRadeln in den Schengenraum

Den Grenzübergang Storskog überqueren Flüchtlinge, die in Norwegen auf Schutz hoffen. Russland gestattet ihnen die Ausreise aber nur auf Rädern - darum boomt der Fahrradhandel im Murmansk.

Von Gunnar Herrmann

Ein kleines Mädchen auf einem Fahrrad mit platten Reifen wird von einem Mann über die Grenze zwischen Russland und Norwegen geschoben. Es ist eine absurde Szene aus einem Drama, das sich derzeit täglich am norwegischen Grenzübergang Storskog abspielt. Immer mehr Menschen wählen auf ihrer Suche nach einem Weg in den Schengen-Raum die Route durch Russland, die sie bis über den Polarkreis nach Murmansk und schließlich nach Norwegen führt.

Mehr als 1600 Flüchtlinge zählten die Behörden in Storskog bislang für das laufende Jahr, die meisten kamen erst in den vergangenen Monaten - 2014 waren nur 20 Asylbewerber über diese Route nach Norwegen gekommen. Dass die Flüchtlinge, die zum Teil aus den Bürgerkriegsgebieten des Nahen Ostens stammen, den letzten Teil ihrer Reise mit dem Fahrrad zurücklegen, hängt mit den russischen Grenzübertrittsbestimmungen zusammen. Die Fluchtroute am Eismeer hat inzwischen auch zu diplomatischen Verstimmungen zwischen Norwegen und Russland geführt.

Bild: REUTERS 24. Oktober 2015, 17:092015-10-24 17:09:24 © SZ.de/ghe/jana