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Flüchtlinge:Die Tankstellenpächterin will ihre teuren Sandwiches verkaufen

Absurd sind rund um Idomeni einige Dinge. In Athen lässt man auch all diejenigen die Busreise nach Norden antreten, die nicht über die Grenze dürfen. Manche Flüchtlinge erzählen, dass ihnen niemand gesagt habe, dass in Idomeni kein Durchkommen ist.

Kinder in Idomeni spielen in leerem Zelt von Ärzte ohne Grenzen

Camp Idomeni: Flüchtlingskinder spielen in leerem Zelt Fußball

(Foto: Oliver Das Gupta)

Dann ist da noch die Tankstelle in Polikastro, etwa 20 Kilometer südlich von Idomeni. Hier stoppen die Busse mit den Flüchtlingen, wenn an der Grenze zu viel los ist. Teilweise dauert es eine Nacht lang bis zur Weiterfahrt. Dann schließen die Busfahrer die Flüchtlinge aus, stundenlang. Helfer wurden von der Tankstellenpächterin verscheucht. Sie erlaubt keine Essensversorgung, damit die Flüchtlinge ihre teuren Chips und Sandwiches kaufen.

Immerhin hat die Pächterin inzwischen erlaubt, dass vier Zelte auf ihrem Gelände errichtet werden. Sie dürfen benutzt werden - anders als die Zelte in Idomeni.

Die Schließung des Lagers mag im Sinne von Griechenlands europäischen Partnern sein. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, auf diese Weise werde verhindert, dass dort dauerhaft Flüchtlinge an einem Ort bleiben und sich immer mehr Menschen in Idomeni sammeln. Gelöst ist das Problem durch die Sperrung des Zelt-Camps nicht - es ist nur außer Sichtweite.

Viele derjenigen, die versuchen, sich durch die Wildnis nach Norden durchzuschlagen, harren in den Wäldern um Idomeni aus. Sie hausen dort in aufgegebenen Häusern und zerfallenen Schobern oder kauern in notdürftig gebastelten Unterschlupfen. Zwei Flüchtlinge erzählen, ihnen sei von anderen Flüchtlingen Geld geraubt worden. Auch Fälle von Gewalt und sexuellem Missbrauch soll es gegeben haben.

In wenigen Tagen wird das Thermometer wieder unter null Grad sinken, dann sind nicht nur die wenige Kilometer entfernten Berggipfel schneebedeckt. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir Kältetote haben", sagt Kate O'Sullivan. Die Irin arbeitet für Save the Children und weiß von Fällen, in denen Kinder in den Wäldern übernachtet haben.

Eine humanitäre Katastrophe zeichnet sich ab. Denn trotz aller Gefahren wächst die Zahl derjenigen, die in die Wälder gehen Tag für Tag. Wie viele es sind, ist unklar. Aber an den Sammelstellen, wo die Schlepper sie abholen, warten Hunderte. Oft sind es Menschen, die schon mehrfach von den Mazedoniern erwischt wurden, aber nicht aufgeben. Für sie gibt es keine Alternative. "Zurück gehe ich nicht", sagt ein Iraner. In seiner Hand hält er eine Plastikschüssel mit veganem Essen, das deutsche Helfer täglich zubereiten und in den Wald bringen. Die deutschen Freiwilligen sind die Einzigen, die den Menschen im Wald helfen.

Gemüsebratlinge und Auberginenmus mit Reis

Heute sind etwa 200 Leute zum vereinbarten Treffpunkt gekommen. Ihre Kleidung ist schmutzig und durchnässt, viele husten, einer steht in Birkenstock-Sandalen auf dem Waldboden. Es sind fast nur Männer zu sehen, drei Frauen halten sich im Hintergrund. Es gibt Gemüsebratlinge, dazu Auberginenmus und Reis.

Ismael und Mahdi, zwei junge Männer aus Casablanca, lassen sich Müllsäcke geben und sammeln das Essgeschirr der anderen von der Lichtung. Die beiden wissen nicht, was in der Silvesternacht in Köln passiert ist und dass junge Männer aus Marokko von einigen Deutschen derzeit nicht wohl gelitten sind.

Mahdi wurde schon dreimal in Mazedonien geschnappt. Er ist verzweifelt. Alles Geld ist weg.

Als es Abend wird, kommen die Schleuser. Sie verlangen unterschiedliche Preise. Manche zahlen 160 Euro, andere sogar mehr als 1000 in der Hoffnung, dass sie bis nach Belgrad gebracht werden. Langsam verschwindet eine Karawane aus Dutzenden Menschen in die Dunkelheit. Mahdi schaut ihnen nach. Er ist nicht mitgegangen.

Flüchtlinge an mazedonisch-griechischer Grenze

Gestrandet in Idomeni: Im Morgengrauen wärmen sich Flüchtlinge an einem Feuer vor dem für sie geschlossenen Camp Idomeni. Sie dürfen weder in den leeren Zelten schlafen, noch die mazedonisch-griechische Grenze passieren.

(Foto: Oliver Das Gupta)