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Flüchtlinge:Entsetzliche Gewöhnung

Es ist unmenschlich, dass die EU Tausende Menschen ertrinken lässt, obwohl sie helfen könnte.

Überrascht sein kann niemand. Dass es erneut zu einer Tragödie im Mittelmeer mit Hunderten toten Flüchtlingen kommen würde, war sicher. Zwei Monate liegt ein Schiffsuntergang mit ähnlich vielen Opfern zurück. In der Zwischenzeit hat das Sterben derer nie aufgehört, die sich vor Krieg, Verfolgung und Not nach Europa retten wollen. Schon ist Gewöhnung daran eingetreten, dass das schöne Mittelmeer zum Grab für Unglückliche wird. 3500 Menschen starben 2014 in seinen Fluten. Dieses Jahr sind es schon mindestens 800, und die Saison beginnt erst.

Es ist beschämend, dass die EU nicht spätestens nach dem Unglück vom Februar reagiert und den paar Schiffen seiner Frontex-Mission Triton eine Flotte mit humanitärem Auftrag zur Seite gestellt hat. Die italienische Küstenwache rettet unablässig Menschen von den jämmerlichen Kähnen, auf denen Menschenschmuggler sie der See ausliefern, selbst die Grenzschützer von Frontex sind oft im Rettungseinsatz. Aber das reicht nicht für Hunderttausende Flüchtlinge, die Experten jetzt erwarten.

An der Gewalt in Syrien, den Krisen in Afrika und dem Chaos in Libyen lässt sich schnell nichts ändern. Aber eine Rettungsflotte, wie Italien sie in Mare Nostrum stellte, lässt sich rasch entsenden. Ob die Geretteten in Europa bleiben dürfen, entscheiden Asylverfahren. Lässt man sie ertrinken, entscheidet Unmenschlichkeit.