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Flüchtlinge:Ein Schiff für die Menschlichkeit

Die Evangelische Kirche gründet ein Bündnis zur Seenotrettung von Flüchtlingen.

Die Alan Kurdi war live aus dem Mittelmeer zugeschaltet, als sich in Hamburg das Bündnis "United4Rescue" vorstellte. 61 Personen seien an Bord, darunter Frauen und Minderjährige, berichtete ein Mann der Regensburger Organisation Sea-Eye von dem Rettungsschiff. "Die kippen uns hier gerade reihenweise um, die Lage hat sich gewaltig zugespitzt." Jetzt würden Wellen von 2,5 Metern Höhe erwartet und Windstärke sieben bis acht. Man verhandelte, aber es gebe noch keine Aussicht auf einen sicheren Hafen. Palermo sei ein solcher, nur fehlten dort die Kompetenzen dort. Es klang verzweifelt.

Auch Palermos Bürgermeister Leoluca Orlando hörte den dramatischen Worten zu am Dienstagnachmittag in der schwimmenden Flussschifferkirche auf der Elbe, wo die Alan Kurdi auf einem Bildschirm zu sehen war. Er sagte, er könne nur "noch mal unsere Solidarität wiederholen". Palermo sei "ein offener Hafen", er werde mit Italiens Ministerpräsident Guiseppe Conte sprechen. Auch Katharina Fegebank saß neben ihm auf dem Podium, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin. Die Hansestadt gehört ebenfalls zu den Städten, die sich sichere Häfen nennen und gerne helfen würden. Doch ihnen seien die Hände gebunden, entschuldigte sich Katharina Fegebank. Die Entscheidungen treffen die Regierungen, die Innenminister, die EU.

"United4Rescue" fordert auch, Helfer nicht zu kriminalisieren

Der Frust über den europäischen Umgang mit dem Drama ist der Grund, warum sich nun "United4Rescue - gemeinsam retten e.V." gegründet hat, ein Bündnis aus Kirchen, Kommunen, Vereinen und Organisationen. Die Initiative versucht, ein eigenes Rettungsschiff zu schicken, online läuft eine Spendenaktion (#WirschickeneinSchiff). Der Zusammenschluss will auch das Recht auf Seenotrettung herausstellen und dafür sorgen, dass die Retter nicht mehr kriminalisiert werden. "United4Rescue" fordert wahrhaft sichere Häfen und faire Asylverfahren. Es sei absurd, dass sich 121 Städte in Deutschland zu sicheren Häfen erklärt hätten und Geflüchtete aufnehmen würden, aber das Innenministerium dies verweigere, so Michael Schwickart von Sea-Watch.

Mit Moralismus habe das nichts zu tun, sagt Heinrich Bedford-Strohm, als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland eine Stimme des Projekts. Dies sei "ein Bekenntnis zu Mitmenschlichkeit". Man werde "die Verantwortlichen Europas in die Pflicht nehmen, um das Sterben im Mittelmeer zu beenden." Gleichzeitig wolle man "direkt helfen." Leoluca Orlando, als Italiens bekanntester Mafiajäger vor allem früher selbst mit dem Tode bedroht, will "eine klare Botschaft an die Europäische Union schicken". Man könne nicht so tun, als habe man nichts gewusst: "Wir wissen es."