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Flüchtlinge:Schutzquote für Asylsuchende in Deutschland steigt

Demo gegen Fremdenhass in Dresden

Auf einer Demonstration gegen Fremdenhass in Dresden ziehen Menschen mit einem "Refugees welcome"-Schild durch die Dresdner Innenstadt.

(Foto: dpa)
  • So gut wie alle Syrer und Eritreer bekamen im dritten Quartal 2016 einen Schutzstatus zugebilligt.
  • Auch viele Marokkaner und Algerier, allerdings kommen aus diesen Ländern generell viel weniger Menschen nach Deutschland.
  • Laut Ausländerzentralregister hielten sich Ende September 788 000 Schutzsuchende in Deutschland auf, über deren Status noch nicht entschieden ist.

Von Jan Bielicki

Die weitaus meisten Flüchtlinge, die in Deutschland Schutz suchen, haben das Recht hierzubleiben. Von Juli bis September dieses Jahres hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) drei von vier Schutzsuchenden, über deren Anträge es in diesem Zeitraum entschied, anerkannt. Damit war die Schutzquote im dritten Quartal dieses Jahres so hoch wie nie, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der linken Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke hervorgeht, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Danach bekamen so gut wie alle Syrer und Eritreer einen Schutzstatus zugebilligt, aber auch etwa jeder elfte Marokkaner oder Algerier erhielt die amtliche Bestätigung, dass sie daheim nicht sicher sind. Das ist ein deutlich höherer Anteil als im Frühsommer, als die große Koalition Algerien, Marokko und Tunesien zu sicheren Herkunftsländern erklären wollte, damit allerdings im Bundesrat an den Grünen scheiterte. Vor allem jungen Männern aus diesen Ländern wurden die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht zugeschrieben. Allerdings kamen im dritten Quartal nur noch 1180 Zuwanderer aus den nordafrikanischen Staaten nach Deutschland, ein nur kleiner Teil der insgesamt 50 000 Ankömmlinge.

3. Quartal 2016, bereinigte Schutzquote. Credit: SZ-Grafik; Quelle: Bundesinnenministerium

Allerdings hielten sich laut Ausländerzentralregister Ende September 788 000 Schutzsuchende in Deutschland auf, über deren Status noch nicht entschieden ist, 54 000 haben ihren Asylantrag noch nicht einmal abgegeben. Durchschnittlich sind Flüchtlinge bereits acht Monate im Land, bis sie ihren Antrag stellen können. Danach dauert das Verfahren im Schnitt sechseinhalb Monate. Allerdings warten 110 000 Antragsteller bereits seit mehr als einem Jahr, 36 000 sogar seit mehr als zwei Jahren auf eine Entscheidung des Bamf.

Von den insgesamt etwa 135 000 Asylbewerbern, deren Anträge in den Jahren 2014 und 2015 abgelehnt wurden, befanden sich laut Ausländerzentralregister Ende September noch 50 000 im Land. Ein Viertel von ihnen hat inzwischen eine Aufenthaltserlaubnis, die Hälfte eine Duldung, weil ihre Abschiebung - etwa mangels gültiger Papiere - nicht möglich ist. Es bestehe "keinerlei Anlass für Panikmache", folgert Jelpke, und kein Grund, wie die Union "über noch schärfere Abschiebungen und Sanktionen zu schwadronieren".

© SZ vom 08.12.2016/dayk

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