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Flüchtlinge:Die Paranoia kann überwunden werden

In Freiburg lassen einige Discos keine Flüchtlinge mehr ein - und die Debatte über Rassismus und Sexismus kocht wieder hoch. Zeit, sich den Blick für die Wirklichkeit zurückzuerobern.

Von Matthias Drobinski

Ein halbes Dutzend Wirte begrenzt in Freiburg Flüchtlingen den Zugang zu ihren Lokalen - und schon hat die Debatte über den Sexismus der Gekommenen und den Rassismus der Alteingesessenen neuen Zunder erhalten. Das zeigt: Es ist "nach Köln" (was nun schon zum feststehenden Begriff geworden ist) zwischen Flüchtlingen und Einheimischen ein paranoider Raum entstanden. In ihm ist der gelassene und unvoreingenommene Blick kaum noch möglich; bei jedem Ereignis schwingt der Subtext mit.

Fünf Dunkelhaarige - eine Grapschertruppe? Ein Wirt, der seine Gäste vor Grapschern schützen möchte - ein Rassist? Es ist kein Zufall, dass der Streit im liberalen Freiburg entstand: Wo man sich ganz besonders gefeit gegen Sexismus und Rassismus hält, entstehen solche paranoiden Räume besonders schnell.

Grapschen und blöde Anmache ist in Discos nicht neu

Man entkommt ihnen, wenn man sich den Blick für die Wirklichkeit zurückerobert: Grapschen und blöde Anmache ist in Discos nicht neu. Aber es ist ein größeres Problem, seit Flüchtlinge das Nachtleben erkunden und manche von ihnen meinen, dass Frauen, die tanzen, Huren sind. Wirte dürfen, müssen sich gegen solche Typen wehren, egal, welche Hautfarbe sie haben. Sie dürfen aber auch nicht vor der Eingangstür nach Hautfarbe sortieren.

Die meisten wissen das und haben kreative Lösungen gefunden: einen Disco-Pass, Paten für die Neuen. Die Paranoia kann überwunden werden, Schritt für Schritt.

© SZ vom 25.01.2016/pamu

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