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Flüchtlinge:Das falsche Ziel

Kriegsschiffe gegen Schlepper und Schleuser? So ein Unsinn!

Von Joachim Käppner

Zur Reihe der hilflosen bis unsinnigen Vorschläge, wie die Flüchtlingskrise im Mittelmeer zu lösen sei, ist ein weiterer hinzugekommen. Der EU-Migrationskommissar will Kriegsschiffe in die Gewässer zwischen Sizilien und Afrika entsenden - nicht etwa, um Italiens Marine beim Bergen von Schiffbrüchigen zu helfen, sondern zur Bekämpfung der Schleuser.

Vorbild soll die durchaus erfolgreiche EU-Operation "Atalanta" sein, die sich gegen Piraten am Horn von Afrika richtete und dem Schutz der Handelsschiffe und humanitärer Einsätze diente. Schnellboote der Piraten wurden gekapert, abgefangen oder verjagt; in Einzelfällen kam es sogar zu Angriffen auf Stützpunkte der Freibeuter an der Küste. Nur: Was davon lässt sich auf die Flotille der Hoffnungslosen übertragen, die in kaum seetüchtigen Kuttern nach Europa gelangen wollen?

Nichts natürlich. Vor Somalia war Militär die Ultima Ratio gegen Kriminelle, die Geiseln nahmen, Schiffe entführten und Menschen umbrachten. Im Mittelmeer geht es aber um Flüchtlinge. Von Schleusern benutzte Boote zu zerstören oder zu beschlagnahmen, was die Idee ist, setzt Angriffe auf Häfen in Nordafrika und damit auf die dortigen Staaten voraus, auch wenn einer, Libyen, nur noch auf dem Papier besteht. Auf dem Meer sind die Seelenverkäufer ohnehin mit Flüchtlingen überfüllt. Die einzige Rolle, die Kriegsschiffen da bleibt, ist Rettung aus Seenot.

© SZ vom 23.04.2015
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