Flüchtlinge:Bewährungsstrafe für Kamerafrau, die nach Flüchtlingen trat

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Die Ungarin sorgte im Sommer 2015 für Empörung, als sie absichtlich nach davonlaufenden Flüchtlingen trat.

Eine ungarische Kamerafrau, die im Sommer 2015 während der Arbeit absichtlich nach davonlaufenden Flüchtlingen trat, hat eine Bewährungsstrafe bekommen. Das Gericht in der südungarischen Stadt Szeged sah es in seinem Urteil am Donnerstag als erwiesen an, dass sich Petra L. des Landfriedensbruchs schuldig gemacht hatte.

Ein konkretes Strafmaß verhängte es nicht, sondern setzte die mögliche Bestrafung auf drei Jahre aus, wie das Budapester Internert-Portal "index.hu" berichtete. Der Spruch erster Instanz ist noch nicht rechtskräftig.

L., die für den zur rechtsextremen Jobbik-Partei gehörenden Internet-Fernsehsender N1TV arbeitete, hatte auf dem Höhepunkt des Flüchtlingszustroms nach Europa mit ihrem Verhalten Empörung ausgelöst. Videos von anderen Journalisten zeigten, wie sie einem Flüchtling mit einem Kind im Arm ein Bein stellte, woraufhin dieser samt Kind zu Boden fiel. Außerdem war zu sehen, wie sie einem kleinen Mädchen gegen das Schienbein trat.

Der Jobbik-Sender kündigte ihr daraufhin. Später entschuldigte sich die heute 41-Jährige, behauptete aber zugleich, nur aus Angst vor den Flüchtlingen so gehandelt zu haben. Diese hatten im Grenzort Röszke bei Szeged eine Absperrung ungarischer Grenzpolizisten durchbrochen. In dem Prozess argumentierte L. ähnlich. Der Richter hielt dies jedoch für unglaubwürdig.

2015 kündigte L. Klagen gegen Facebook und einen der Flüchtlinge an

Ob der Fall damit erledigt ist, wird sich zeigen. Einer russischen Zeitung sagte L. noch im Oktober 2015, nach dem Verfahren werde sie gegen Facebook und einen der Flüchtlinge klagen, den sie damals getreten hatte.

Als Grund gab sie an, der Mann aus Syrien habe seine Aussage im Verfahren geändert. Zunächst habe er nicht sie, sondern die Polizei beschuldigt. Allerdings ist auf Videos klar zu erkennen, wie die Frau nach mehreren Flüchtlingen tritt, darunter Kinder, und einen Mann zu Fall bringt, der ein Kind auf dem Arm trägt.

Facebook warf sie vor, Kommentare nicht gelöscht zu haben, die sie bedrohten. Dagegen seien Beiträge, die sie unterstützten, entfernt worden.

© SZ.de/dpa/ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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