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Flüchtlinge:"Angesichts dieser katastrophalen Zustände"

Coronavirus - Griechenland

1800 Menschen unter Quarantäne: Das Flüchtlingslager Malakasa nördlich von Athen wurde abgeriegelt, nachdem ein Bewohner positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurde.

(Foto: Yorgos Karahalis/dpa)

Unions-Abgeordnete wollen Kinder aus griechischen Auffanglagern holen.

Mehr als 50 Abgeordnete der Unionsfraktion haben in einem eindringlichen Appell EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aufgefordert, Kinder aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln in anderen EU-Ländern unterzubringen. Zu den Unterzeichnern des Appells gehören unter anderem Ex-Unionsfraktionschef Volker Kauder, die stellvertretende CDU-Vorsitzende Silvia Breher, die Staatsministerinnen Monika Grütters und Annette Widmann-Mauz sowie Norbert Röttgen und sechs der elf stellvertretenden Unionsfraktionschefs.

"Die dramatische Lage in den Flüchtlingslagern in Griechenland kann uns alle in Europa nicht unberührt lassen", heißt es in dem Brief an die EU-Kommissionschefin, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. "Besonders die jüngsten und schwächsten Personengruppen wie Frauen, Kinder und unbegleitete Jugendliche" seien in einer äußerst schwierigen Situation. Viele Kinder würden "unter Traumata aufgrund ihrer Kriegserfahrungen und den Zuständen in den Hotspots" leiden. Diese Situation sei "inakzeptabel für uns Europäer".

In Anbetracht der weltweit rasanten Ausbreitung des Coronavirus sei "eine umgehende Aufnahme von geflüchteten Kindern aus Lagern auf den griechischen Inseln dringend geboten". Den Schutzsuchenden in den Flüchtlingslagern drohe "eine Katastrophe, sobald die Erkrankung Covid-19 dort ausbricht". Schon jetzt hätten dort "viele nur sehr eingeschränkten Zugang zu fließendem Wasser oder Seife - von Desinfektionsmitteln oder ärztlicher Versorgung ganz zu schweigen".

Die Europäische Union befinde "sich angesichts dieser katastrophalen Zustände in einer ernsthaften Bewährungsprobe", heißt es in dem Brief. Die EU müsse jetzt Griechenland "unterstützen und entlasten". Die Europäische Kommission sei dabei "in der dringenden Verantwortung, initiativ zu werden". Sie müsse es jetzt schnell ermöglichen, dass die Kinder "zügig aus den überfüllten Flüchtlingslagern in Griechenland nach Deutschland und andere bereitwillige EU-Mitgliedsstaaten zur Betreuung und angemessenen Unterbringung gebracht werden können". Der Brief der Abgeordneten an von der Leyen endet mit dem Satz: "Wir zählen dabei auch auf Ihre persönliche Unterstützung." Von der Leyen war vor ihrer Wahl zur EU-Kommissionschefin zehn Jahre lang Mitglied der Unionsfraktion. Katja Leikert, die für Europapolitik zuständige Vizechefin der Unionsfraktion, sagte der SZ, man habe sich zu dem Brief an von der Leyen zusammengetan, weil es jetzt um "Handlungsfähigkeit auch in der Krise" gehe. Sie wolle nicht, "dass Kindersärge von den Inseln wegtransportiert werden müssen".

© SZ vom 07.04.2020

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