Flüchtling aus Togo:Schieb ab - Von einem, der nicht mehr hier sein dürfte

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Flüchtling aus Togo: Antony E. in Freiburg.

Antony E. in Freiburg.

(Foto: hardy mueller)

Wie lebt es sich in Deutschland, wenn man abgeschoben werden soll? Unsere Reporterin hat Antony E. in Freiburg besucht.

Von Ann-Kathrin Eckardt

Die Rechnung der Bundesregierung klingt simpel: Wenn mehr kommen, müssen auch mehr wieder gehen. Das Problem ist nur - bereits in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass das mit dem "wieder raus" schwieriger ist, als gedacht. Das neue Asylrecht, das seit vergangener Woche gilt, soll Abschiebungen nun erleichtern und beschleunigen.

Meistens werden die Menschen im Morgengrauen abgeholt. Vom Großteil der Bevölkerung unbemerkt, werden sie ins Flugzeug gesetzt. Aber wie funktioniert so eine Abschiebung eigentlich ganz konkret? Wie lebt es sich in Deutschland, wenn man schon lange nicht mehr hier sein dürfte? Und wie schafft es der Staat, eben diese Menschen doch zum Ausreisen zu zwingen? Das waren die Fragen, die am Anfang des Buch Zweis von diesem Wochenende standen. Ich bin auf Antwortsuche gegangen und erzähle exemplarisch die Geschichte eines Menschen, der gehen muss.

Das Schwierigste an diesem Vorhaben war, einen geeigneten Fall zu finden. Nicht zu rührselig sollte er sein, aber auch nicht zu negativ. Eine fünfköpfige, bestens integrierte Familie kam ebenso wenig in Frage, wie ein mehrfach straffällig gewordener Balkanflüchtling, der zum fünften Mal Asyl beantragt.

In Freiburg schließlich fand ich Antony E., 28, aus Togo. Zweimal sollte er bereits abgeschoben werden. Er fühlt sich politisch verfolgt, ist aber kein politischer Flüchtling. Er ist vorbildlich integriert, aber trotzdem straffällig geworden. Er ist eine große Hoffnung der Freiburger Handwerkskammer und trotzdem ein Problemfall des Karlsruher Regierungspräsidiums. Die einen können ihn nicht halten, die anderen werden ihn nicht los. Er ist das Abschiebe-Dilemma des deutschen Staates in Person.

Die Angst ist groß

An zwei Tagen habe ich ihn in Freiburg getroffen. Er geht nur noch vor die Tür, wenn es unbedingt sein muss, aber in Begleitung einer deutschen Frau fühlte er sich ein wenig sicherer. Er hat mich mitgenommen in sein kleines Zimmer im Flüchtlingsheim. Dort schlafen, das traut er sich längst nicht mehr. Zu groß ist die Angst, dass eines Morgens die Polizei vor der Tür steht.

Gerne hätte ich auch Frau S. persönlich kennen gelernt. Sie ist beim Karlsruher Regierungspräsidium für Antonys Abschiebung zuständig. Wie nah lässt man so einen Fall eigentlich an sich heran, das hätte ich sie gerne gefragt, doch die Pressestelle des Regierungspräsidiums sagt, sie wolle die Sachbearbeiter vor Medienanfragen "schützen". Aber immerhin: Zu Antonys Fall hat die Behörde - mit Antonys Einverständnis natürlich - Auskunft gegeben.

Im Buch Zwei "Schieb ab" können Sie die ganze Geschichte lesen und sich selbst eine Meinung bilden, ob jemand wie Antony abgeschoben gehört, oder nicht, was der deutsche Staat richtig macht und was nicht.

Und wer danach wissen will, wie es mit Antony weitergeht: Auf SZ.de werde ich berichten.

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