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Finnland:Kopf-an-Kopf-Rennen am Wahlabend

Chairman of the Finnish Social Democratic Party Antti Rinne attends the election party in Helsinki

Antti Rinne, Chef der finnischen Sozialdemokraten, verfolgt am Wahlabend die Bekanntgabe der Ergebnisse.

(Foto: Lehtikuva/Reuters)

Die Rechtspopulisten schneiden fast so stark ab wie die Sozialdemokraten. Keine Partei erreicht mehr als 20 Prozent.

Sozialdemokraten (SDP) und die rechtspopulistische Partei Die Finnen haben sich am Wahlabend in Finnland ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Nach Auszählung von fast 99 Prozent der Stimmen lagen die Sozialdemokraten mit 17,7 Prozent vorne und sind damit denkbar knapper Wahlgewinner. Nur 0,2 Prozentpunkte dahinter lagen Die Finnen und auf Platz drei die Nationale Sammlungspartei. Es ist das erste Mal, dass keine der großen Parteien in Finnland mehr als 20 Prozent erhält. Die großen Wahlverlierer sind der letzte Ministerpräsident Juha Sipilä und seine Zentrumspartei, die mit weniger als 14 Prozent auf Platz vier landeten. Die rechtskonservative Regierung von Sipilä war vor einem Monat zurückgetreten, nachdem ihre Gesundheitsreform gescheitert war.

Beobachter rechnen nun mit komplizierten Verhandlungen zur Regierungsbildung, erschwert durch das starke Abschneiden der europaskeptischen Rechtspopulisten. "Wir haben kein Problem damit, mit anderen zusammenzuarbeiten, aber die anderen scheinen eines mit uns zu haben", sagte deren Parteichef Jussi Hallo-aho am Wahlabend. Die Finnen waren auch schon 2015 die zweitstärkste Partei geworden und danach in die Regierung eingetreten. 2017 allerdings hatte die Wahl des durch rechtsextreme Positionen aufgefallenen Jussi Hallo-aho zum Parteichef die Finnen gespalten, die Partei musste die Regierung verlassen. In den letzten Monaten hatten die Rechtspopulisten profitiert von einer Debatte über kriminelle Immigranten, nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft in der Stadt Oulu eine Bande von Immigranten des mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verdächtigten. Außerdem machten sie Stimmung gegen die angeblich von städtischen Eliten geschürte "Klimahysterie".

Die Wahlbeteiligung lag bei 72 Prozent, zwei Prozent mehr als bei den letzten Wahlen. Ebenfalls zulegen, wenn auch auf kleinerer Basis konnten die Grünen (11,4 Prozent) und das Linksbündnis (8,2 Prozent). Für eine Koalition des linken Lagers reichten dies nicht aus.