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Finanzmarkt:Deutsche Bank beförderte umstrittenen Manager

Der Mitarbeiter war an dubiosen Geschäften in China beteiligt und stieg trotz einer Rüge durch externe Prüfer auf.

Von Christoph Giesen, Nicolas Richter und Meike Schreiber

Interne Unterlagen zum China-Geschäft der Deutschen Bank wecken Zweifel daran, ob das Geldinstitut seine strengen Standards im Bereich Compliance selbst einhält. Ein hochrangiger Mitarbeiter, der in den vergangenen Jahren Verwaltungschef im Bereich Regulierung und Compliance der Deutschen Bank war, sah sich im Rahmen einer Untersuchung im Jahr 2015 selbst mit schweren Vorwürfen externer Prüfer konfrontiert: Er habe im Jahr 2005, damals als Manager in der Strategie-Abteilung, für ein Geschäft in China einen dubiosen Berater verpflichtet, obwohl Kollegen aus den Bereichen Recht und Compliance gewarnt hätten. Die Kritik stammt aus einem Memorandum der US-Kanzlei Gibson Dunn & Crutcher, die im Auftrag der Deutschen Bank überprüfen sollte, ob der Bank wegen früherer Geschäfte in China Ärger mit den Behörden drohe. In dem Memo heißt es, der Mitarbeiter habe den umstrittenen Berater verpflichtet, bevor eine Detektei ihn habe fertig überprüfen können. Der Mitarbeiter habe es versäumt, seine Chefs einzuschalten, und zudem die Aufklärung erschwert. Die Süddeutsche Zeitung und der WDR konnten das Memo von 2015 einsehen.

Till S., der betroffene Mitarbeiter, wurde anschließend zum "Global COO (Chief Operating Officer) Regulation, Compliance und Anti-Financial Crime" befördert und berichtete direkt an Vorstandsfrau Sylvie Matherat. Er trat in einem Werbevideo der Bank für Compliance auf. Auch gehört er bis heute dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank Italien an. Zeitweise war er bei der Tochter Postbank zudem Ersatzmitglied für den Aufsichtsrat. S. gehörte damit lange zu den ranghöchsten Vertretern des Konzerns, speziell im Bereich Compliance, in dem es darum geht, dass die Bank Regeln und Gesetze einhält. Den Posten als COO hat er im Juli dieses Jahres aufgegeben.

S. und die Deutsche Bank lehnten es auf Anfrage ab, sich zu diesen Vorgängen zu äußern. In einer Befragung durch externe Anwälte der Kanzlei Allen & Overy im Jahr 2014 sagte S., er habe damals nicht allein entschieden. Der Zusammenfassung dieses Gesprächs zufolge räumte er ein, dass die Informationen über den Berater rückblickend Sorge auslösten. Damals aber sei dies anders gewesen. Er habe sich unter Druck gefühlt. Alle in der Bank hätten den Deal gewollt und hätten sich auf Lee Zhang verlassen, der damals der faktische Chef im China-Geschäft war und der den dubiosen Berater selbst empfohlen hatte.

Bei dem Deal im Jahr 2005 ging es um den Kauf von Anteilen an der staatlich kontrollierten Huaxia-Bank. Der Berater, den die Bank für zwei Millionen Euro verpflichtete, stand der Familie des damaligen Premiers Wen Jiabao nahe, er arbeitete offenbar als Geschäftsführer in einer Diamantenfirma, die der Ehefrau Wens gehörte. Die Compliance-Abteilung hatte damals mehrmals davor gewarnt, dass der Berater ein Strohmann sein könnte und womöglich Schmiergeld weiterleite. S. setzte sich über diese Warnungen allerdings hinweg.

© SZ vom 16.10.2019

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