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Finanziers der US-Republikaner:Die Einflussreichen - David und Charles Koch

Die wohl einflussreichsten Finanziers der Grand Old Party haben sich noch auf keinen Kandidaten festgelegt, weshalb David und Charles Koch ihre Spenden weit streuen. Die beiden kontrollieren mit Koch Industries eine Firma, die in der Öl-, Chemie- und Kunststoffbranche einen Jahresumsatz von 100 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Damit ist Koch Industries laut Forbes das zweitgrößte US-Unternehmen, das nicht an der Börse notiert ist.

Seit langem finanzieren sie eine Vielzahl von Think-Tanks, Institute, Vereine und unterstützen konservative und wirtschaftsfreundliche Politiker. Die Brüder wünschen sich einen schlanken Staat, der Unternehmen nicht durch lästige Vorschriften wie etwa Umweltschutzrichtlinien einschränken. Während der 76-jährige Charles in der Prärie von Wichita lebt, residiert sein vier Jahre jüngerer Bruder David in Manhattan. Wie Eva Schweitzer in ihrem Buch Tea Party. Die weiße Wut schreibt, ist Koch mit einem Vermögen von 25 Milliarden Dollar der reichste New Yorker - noch vor George Soros, Michael Bloomberg oder John Paulson.

David Koch allerdings passt nicht recht in das Bild des eifernden Radikalen: Er hat nichts gegen die Homo-Ehe, fördert Stammzellenforschung und unterstützt als Mäzen zahlreiche New Yorker Kultur-Einrichtungen. Berichte, er habe den Aufstieg der Tea Party finanziert, weist David Koch von sich. "Ich war auf keiner einzigen Tea-Party-Veranstaltung und keiner von denen hat je mit mir Kontakt aufgenommen", sagte er 2010 dem Magazin New York. Glaubwürdig ist dies nicht: Die Organisation Americans for Prosperity ("Amerikaner für Wohlstand"), die von den Koch-Brüdern über diverse Stiftungen getragen wird, zahlt immer wieder für Auftritte von Sarah Palin und unterstützt aufstrebende Tea-Party-Politiker wie Scott Walker aus Wisconsin. Dieser fiel einst auf einen Stimmenimitator herein und diskutierte ausführlich mit dem falschen David Koch über die beste Strategie gegen Demonstranten, die gegen Walkers Sparpolitik protestierten.

Zahlreiche Recherchen von Wissenschaftlern und Journalisten legen den Schluss nahe, dass es in der republikanischen Partei heute ziemlich schwer ist, ohne das Wohlwollen der Kochs nach oben zu kommen. Offenbar sind die beiden bereit, im Wahljahr 2012 etwa 200 Millionen Dollar auszugeben - und sie werden sicher nicht damit angeben, sondern dies ganz diskret tun.

Linktipp: Das mit Spendengeldern finanzierte Journalisten-Projekt Pro Publica hat die Spendenflüsse an die verschiedenen Super-Pacs auf ihrer Website grafisch aufbereitet.

© Süddeutsche.de//segi/mikö/holz

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