Finale im Wulff-Prozess Ende des Unsinns

Mitten im Karnevalsrummel, am sogenannten schmotzigen Donnerstag, endet die Verhandlung gegen Ex-Bundespräsident Wulff. Schmotzig bedeutet unsinnig. Das passt auch für den Prozess.

Ein Kommentar von Heribert Prantl

In den Karnevalshochburgen herrscht am kommenden Donnerstag närrisches Treiben; die Bürgermeister übergeben die Amtsgeschäfte und die Rathausschlüssel bis zum Faschingsdienstag symbolisch an die Narren. In Hannover dagegen, einer Stadt, die nicht zu den Karnevalshochburgen zählt, wird an diesem Tag das Urteil im Wulff-Prozess gesprochen.

Das war nicht so geplant; die Staatsanwaltschaft hat aber, weil sie sich mit einer Niederlage nicht abfinden wollte und immer neue Beweisanträge gestellt hat, immerhin erreicht, dass dieser Prozess nun an diesem schmotzigen Donnerstag, der auch unsinniger Donnerstag genannt wird, endet. Das ist nicht unpassend.

Das gesamte Verfahren samt Vorspiel war eine schmotzige Angelegenheit. Wären die Ermittlungen offener, abwägender, achtsamer und redlicher geführt worden, hätte es zu dieser Strafverhandlung gar nicht kommen dürfen, hätte also die Sache vorab und ohne Auflagen eingestellt werden müssen. So aber hat nun Wulff Aussicht auf einen Freispruch "erster Klasse", wie man das früher nannte.

Die Staatsanwaltschaft hat in ihrem Schlussplädoyer noch einmal ihren Anti-Wulff-Furor demonstriert, indem sie, was absolut unüblich ist, den Angeklagten beschimpfte. Sie hat Wulff nicht den von ihr behaupteten "bösen Anschein der Käuflichkeit" nachgewiesen; stattdessen hat sie ihren engen Geist bewiesen. Sie ist schmotzig aus der Rolle gefallen.