Finale des Rechercheprojekts:Wie es mit der #Kunstjagd weitergeht

Kunstjagd

Finale des Projekts #Kunstjagd - es geht trotzdem weiter

(Foto: Follow the Money)
  • Die Live-Suche der #Kunstjagd ist beendet - die Recherche geht weiter.
  • Zum Projekt gibt es einen Film, eine Radiosendung und eine Ausstellung.
  • Weitere Geschichten zum Thema und neue Infos folgen Blog und via Whatsapp.

Internationales Rechercheprojekt - Woche 6

Die #Kunstjagd ist zu Ende - und geht weiter. Zwei Tage vor Schluss haben die Kollegen des Rechercheteams von Follow the Money (FtM) noch eine neue hoffnungsvolle Spur gefunden. Damit ist spätestens jetzt klar: Auch wenn der Roadtrip und die Live-Phase endet, die Suche selbst geht weiter. Im Blog, via Whatsapp - und in wenigen Monaten auch im Radio und Fernsehen.

Das Projekt

Im Mittelpunkt des Projekts #Kunstjagd steht die Suche nach einem verschollenen Gemälde der Familie Engelberg. SZ.de begleitet die Recherchen in einem 360°-Schwerpunkt, in dem wir über Fortschritte informieren und den historischen Hintergrund beleuchten Die #Kunstjagd ist ein Projekt des Rechercheteams "Follow the Money" (FtM) sowie der Filmproduktion Gebrüder Beetz und den Medienpartnern BR, Deutschlandradio Kultur, ORF, SRF, Der Standard, Rheinische Post und SZ.de. Mehr auf www.kunstjagd.com und www.sz.de/kunstjagd.

Es ist jetzt sechs Wochen her, dass wir angetreten sind, ein verschollenes Gemälde zu finden. Das Bildnis einer Frau, das der Familienlegende nach im November 1938 von einer jüdischen Hausfrau in München von der Wand genommen, aufgerollt und aus dem Haus getragen wurde. Wenige Stunden später kam sie zurück, mit einem Transitvisum für die Schweiz.

Für die Familie war das die Rettung: Paula Engelberg, so der Name der Frau, bekam damit ihren Mann Jakob aus dem KZ Dachau frei, in das ihn die Gestapo nach der Reichspogromnacht verschleppt hatte. Die Familie floh in die Schweiz, später in die USA. Und auch wenn Paula und Jakob Engelberg viel zu früh starben, hatten sie damit ihre Kinder Edward und Melly in Sicherheit gebracht und den Grundstein dafür gelegt, dass die beiden ein glückliches Leben führen und selbst Familien gründen konnten. Heute gibt es etwa 30 Engelbergs, die Nachfahren von Jakob und Paula.

Das ist keine ungewöhnliche Geschichte, sondern eine, wie sie sich in jenen Tagen nur zu oft ereignete. Viele dieser individuellen Schicksale sind in Vergessenheit geraten. Dieses nicht, denn Edward und seine inzwischen verstorbene Schwester Melly besaßen immer noch das Schwestergemälde des Bildes, das die Familie damals gerettet hat. Und sie erzählten die Geschichte, die ihre Eltern ihnen erzählt hatten, ihren Kindern.

Kein Troll, keine Nazis

Heute kennen nicht nur die Nachfahren von Paula und Jakob diese Geschichte. Vor sechs Wochen sind wir losgefahren, um den wenigen Spuren zu folgen, die aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart führen. Unser Ziel: Das Bild wieder aufzutreiben und die Geschichte von Paula, Jakob, Melly und Edward Engelberg zu erzählen. Viele Menschen haben uns dabei begleitet, im Radio, über unsere Website, über Social Media und via Whatsapp.

Die #Kunstjagd in Zahlen

Tage unterwegs: 46

Tage, an denen es Pasta zum Abendessen gab: 50

Gefahrene Kilometer: 7202,2

Übernachtungen im Zelt: 12

Übernachtungen im Auto: 3

Anzahl der Whatsapp-Abonnenten: 766

Whatsapp-Nachrichten von uns: 57

Nachrichten der Whatsapp-Nutzer an uns: 400

Bilder, die uns Abonnenten geschickt haben: 16

Anzahl Mobilfunkanbieter, die ein zuverlässiges Datennetz bieten: 0

Tage, an denen wir nicht über ein unzuverlässiges Netz geflucht haben: 0

Produziertes Rohmaterial: 4 Terabytes

Bevor wir mit der #Kunstjagd begannen, haben wir uns viele Gedanken gemacht. Unsere Geschichte beschäftigt sich mit Themen, die gerade in sozialen Medien zu Aufruhr führen können: die Zeit des Nationalsozialismus und das Schicksal einer jüdischen Familie. Wir hatten uns Strategien überlegt, wie wir mit Kommentaren von Neonazis umgehen sollten, haben darüber nachgedacht, ob es sinnvoller ist, Propaganda-Aussagen zu widerlegen oder sie einfach zu löschen.

Letztlich waren all diese Überlegungen hinfällig: Es gab keinen einzigen Troll, der uns das Leben schwer gemacht hat. Stattdessen waren die vergangenen sechs Wochen eine neue Erfahrung. Zwar ist es heute einfacher denn je, mit Lesern, Hörern, Zuschauern in Kontakt zu treten. Doch Whatsapp geht einen Schritt weiter als Mails oder Facebook-Kommentare. Es ist persönlicher, näher. Viele der Menschen, die uns begleitet haben, haben sich intensiv mit der Familie Engelberg beschäftigt. Und das war eines unserer wichtigsten Ziele: Eine Geschichte, die über die Zeit in Vergessenheit geriet, wieder ins Bewusstsein der Menschen zurückzubringen.

Warum wir nicht aufhören können

Diese Geschichte wollen wir auch noch einmal aufgreifen: Im November wird ein 45-minütiger Film ausgestrahlt werden, der von dieser Recherche erzählt. Schon vorher werden wir im Deutschlandradio in einem 30 Minuten-Feature über die #Kunstjagd berichten. Auch eine Ausstellung im Jüdischen Museum in München ist geplant, zu der Edward Engelberg das Schwestergemälde wieder nach Deutschland bringen lassen will.

Aber was passiert dazwischen? Schon bevor wir auf den neuen Hinweis stießen, hatten wir geplant, die dazwischen liegenden Monate zu nutzen, um die Nebenstränge dieser Geschichte in unserem Blog aufzuschreiben. Weil sie ebenfalls viel über die Zeiten erzählen, wir dafür aber in den vergangenen Wochen keine Zeit fanden.

Die Live-Phase unserer Suche ist zwar beendet, aber nachdem wir zwei Tage vor Schluss eine womöglich entscheidende Spur gefunden haben, können wir nicht aufhören. Wir wollen herausfinden, ob das Bild, auf das wir kurz vor Ende der Suche in München gestoßen sind, wirklich das verschollene Gemälde der Engelbergs ist. Das wird eine andere Art der Recherche werden, kein Road-Trip, sondern vielmehr eine Expertenkonsultation. Wir werden dies aber ebenfalls dokumentieren und in der Whatsapp-Gruppe und im Blog darüber berichten.

Am Anfang hatten wir die Parole ausgegeben: Alles ist möglich - das ist die #Kunstjagd. Heute wissen wir: Es ist vieles eben nicht möglich. Aber wir glauben immer noch daran, dass wir es schaffen können, noch ein wenig näher heranzukommen an jene Ereignisse im November 1938. Die #Kunstjagd geht weiter.

Recherche verfolgen – Hinweise geben
  • Whatsapp: Nachricht mit dem Text "Start Kunstjagd" an die kostenfreie Rufnummer 0157-53 25 78 33 senden, auf dem Laufenden bleiben und Hinweise schicken. Eigene Nachrichten und Nummer sind nicht öffentlich.
  • Mail: Hinweise an das Team mailen oder über das Kontaktformular der Website eingeben.
  • Social Media: Per Facebook, Twitter oder Instagram Neuigkeiten verfolgen.
  • Zuhören und Zuschauen: Die Podcast-Serie gibt es via iTunes und Soundcloud, die Playlist auf Spotify, alle Videos bei Vimeo.
© SZ.de/sebi/dd
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