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Fidel Castro kritisiert Staatswirtschaft in Kuba:Sozialismus? Vergiss es

Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro gesteht ein, dass das kubanische Wirtschaftsmodell nicht funktioniert. Damit stellt er sich hinter die Reformen seines Bruders Raúl.

Einst sollte der kubanische Sozialismus auf die ganze Welt übergreifen. Jedenfalls, wenn es nach Fidel Castro gegangen wäre. Doch nun hört man von dem Revolutionsführer im Ruhestand ganz neue Töne. Auf die Frage des US-Journalisten Jeffrey Goldberg, ob man das kubanische Modell immer noch auf andere Länder übertragen solle, winkte Castro ab: "Das Modell funktioniert ja nicht einmal mehr bei uns."

A woman walks past graffiti on a wall that reads 'Fidel', which refers to former Cuban leader Fidel Castro, in Havana

Auch nach seinem Abtritt aus der offiziellen Politik ist Fidel Castro in Kuba immer noch präsent.

(Foto: Reuters)

Eigentlich hatte Castro Goldberg zum Mittagessen eingeladen, um mit ihm über Iran zu diskutieren, doch dann kam man auf die gebeutelte kubanische Wirtschaft zu sprechen. Die Verwunderung über die plötzliche Offenheit ist dem Journalisten immer noch anzumerken, wenn er auf der Webseite seiner Zeitschrift The Atlantic schreibt: "Hat der Revolutionsführer tatsächlich - im übertragenen Sinne - gesagt: Vergiss es?"

Die Nachricht von Fidel Castros Selbstkritik verbreitete sich rasch. "Damit stärkt er der jetzigen Regierung und ihren Reformversuchen den Rücken", urteilt die Financial Times. Fidel Castros Bruder Raúl übernahm vor vier Jahren die Führung über den Inselstaat von dem inzwischen 84-jährigen Revolutionsführer, als dieser sich aus gesundheitlichen Gründen zurückzogen hatte.

Der jüngere Castro regte in den vergangenen Jahren eine Reihe vorsichtiger Veränderungen an. Aus gutem Grund: Die landwirtschaftliche Produktivität auf der Insel sinkt, die meisten Lebensmittel muss Kuba importieren. Es gibt dort nach wie vor Lebensmittelkarten. Der Staatsapparat des Landes ist aufgebläht. Außerdem leidet das Land unter dem US-Boykott und den Folgen der Finanzkrise.

Raúl Castro will deswegen die staatliche Kontrolle über die kubanische Wirtschaft lockern und nur noch die wichtigsten Industriebereiche in öffentlicher Hand belassen. Die Belegschaft in den Staatsbetrieben soll verkleinert werden. Dafür sollen kleinere privatwirtschaftliche Unternehmungen gefördert werden - als Alternative zu einer Anstellung im Staatsbetrieb.

Nun will man auch ausländische Investoren ins Land locken: Zuletzt überraschte Raúl Castro mit der Entscheidung, dass Ausländer von nun an auf Kuba Grund und Boden erwerben dürfen. Sie sollen vor allem in den Tourismus investieren, der neben der Nickelförderung die wichtigste Geldquelle des Inselstaats ist. Den Sozialismus gänzlich abschaffen will der jüngere Castro indes nicht: "Es geht lediglich um eine Aktualisierung des kubanischen Wirtschaftsmodells", sagte er erst Anfang August im Parlament. Die Staatswirtschaft sei nach wie vor unantastbar.

Ob er allerdings noch das letzte Wort in der Entwicklung Kubas hat, darüber herrscht zurzeit Unklarheit. Die Rückkehr seines genesenen Bruders Fidel Castro in die Öffentlichkeit sorgt seit einigen Wochen immer wieder für Spekulationen. Die Parteizeitung Granma nennt Fidel Castro wieder Comandante en Jefe (Oberkommandierender) und auch sein "Vergiss es" über die kubanische Wirtschaft zeigt, dass er wohl noch nicht ernsthaft an Ruhestand denkt.

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