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Feuergefecht im Gelben Meer:Nordkoreas Angriff beunruhigt die Welt

Das kommunistische Regime im Norden beschießt eine südkoreanische Insel, die Gegenseite erwidert das Feuer: Ein Gefecht im Gelben Meer treibt den koreanischen Grenzkonflikt auf die Spitze. Nicht nur Außenminister Guido Westerwelle ist "sehr besorgt".

Erst flogen Granaten, dann verbale Giftpfeile: Die Führung in Pjöngjang müsse ihr "aggressives Vorgehen stoppen", mahnten die USA in einer Stellungnahme des Präsidialamtes. Es seien "bislang" keine US-Truppen in die Vorgänge verwickelt. Die USA blieben der Sicherheit Südkoreas sowie dem Frieden in der Region verpflichtet.

Yeonpyeong nordkoreanischer Beschuss

Die Insel Yeonpyeong liegt an der südkoreanischen Westküste. Klicken Sie auf das Bild, um die gesamte Karte zu sehen.

(Foto: SZ-Karte)

Die genannten "Vorgänge" ereigneten sich am Dienstag und bedeuteten für zwei südkoreanische Soldaten den Tod. Weitere wurden verletzt. Das kommunistische Regime Nordkoreas hatte Artilleriegeschosse auf die nur zwölf Kilometer vor seiner Küste gelegene südkoreanische Insel Yeonpyeong abgefeuert und laut Berichten südkoreanischer Medien 60 bis 70 Häuser in Brand gesetzt. Der demokratische Süden erwiderte das Feuer und versetzte sein Militär in höchste Alarmbereitschaft.

Aus Nordkorea hieß es dagegen, das Land sei vom südlichen Nachbarn zuerst angegriffen worden. Nordkorea habe auf den Beschuss mit Dutzenden Artilleriegeschossen reagieren müssen, berichtete die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Das Feuer sei erwidert worden. KCNA machte keine Angaben dazu, ob es auf nordkoreanischer Seite Verletzte gab.

Die Lage an der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer, die Nordkorea seit dem Ende des Koreakrieges 1953 nie akzeptiert hat, ist angespannt. Der Westen beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) außerte sich "sehr besorgt": "Wir appellieren an alle Beteiligten zur Mäßigung", sagte er. "Die Tatsache, dass Gewalt eingesetzt wird, ist etwas, was uns in Europa mit Sorge erfüllt."

Ähnlich äußerte sich China, das als Nordkoreas engster Verbündeter Einfluss auf die Politik der kommunistischen Diktatur hat. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking forderte beide Seiten auf, den Frieden zu wahren. Auch die russische Regierung mahnte beide Länder zur Besonnenheit. Die Lage dürfe sich nicht verschärfen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Moskau. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sagte: "Ich verurteile diesen Angriff Nordkoreas scharf".

Kurz nach dem Feuergefecht hatte sich bereits der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak beschwichtigend geäußert. Sein Büro teilte mit, der Präsident tue alles, um eine weitere Eskalation des Zwischenfalls zu verhindern.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Grenzkonflikt zwischen Nord- und Südkorea in einen militärischen Zwischenfall mündet. In den vergangenen Jahren haben sich die beiden Länder mehrere Gefechte geliefert.

Im März sank die südkoreanischen Korvette Cheonan im Gelben Meer nahe der von Seoul kontrollierten Insel Baengnyeong nach einer starken Explosion. 46 südkoreanische Marineangehörige kamen bei dem Vorfall ums Leben. Internationale Ermittler kamen zu dem Ergebnis, dass das Kriegsschiff durch einen nordkoreanischen Torpedo versenkt worden war.

Die Beziehungen zwischen Seoul und Pjöngjang waren in den vergangenen Jahren insbesondere wegen des nordkoreanischen Atomprogramms gespannt. Nordkorea hatte erstmals im Oktober 2006 und dann erneut im Mai 2009 Atomwaffen getestet. Kurz vor dem zweiten Test war Nordkorea aus den sogenannten Sechser-Gesprächen mit Südkorea, China, den USA, Russland und Japan ausgestiegen.

Am vergangenen Sonntag war die Existenz einer neuen nordkoreanischen Atomanlage zur Urananreicherung bekanntgeworden. Uran kann je nach Grad der Anreicherung zivil oder für den Bau von Atombomben genutzt werden. Der US-Sonderbeauftragte Stephen Bosworth hatte das Vorgehen Nordkoreas als "provokanten Zug" gebrandmarkt. Es handle sich aber nicht um eine Krise, "wir sind nicht überrascht".

© sueddeutsche.de/dpa/dapd/AFP/Reuters/mikö/beu

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