Festnahme in Ägypten:Führung der Muslimbrüder ist nun komplett inhaftiert

Lesezeit: 1 min

Er war einer der letzten führenden Muslimbrüder auf freiem Fuß: Der Vizechef der islamistischen Bewegung, Essam al-Arian, ist in Kairo verhaftet worden. Unterdessen plant die Regierung eine Verschärfung des Demonstrationsrechts.

Die ägyptische Polizei hat den Muslimbruder Essam al-Arian verhaftet. Er sei in einem Versteck im Osten von Kairo ausfindig gemacht worden, teilte die Übergangsregierung mit. Al-Arian ist stellvertretender Chef der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, die von den Muslimbrüdern nach dem Sturz von Präsident Hosni Mubarak 2011 gegründet worden war.

Al-Arian war als einer der letzten führenden Köpfe der Muslimbrüder noch auf freiem Fuß. Dem ägyptischen Nachrichtenportal Al-Ahram zufolge leistete er bei der Festnahme in der Nacht auf Mittwoch keinen Widerstand. Der islamistische Politiker war im Sommer abgetaucht, nachdem ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden war.

Mehr als 2000 Muslimbrüder, darunter praktisch die gesamte Führung der Bewegung, befinden sich inzwischen in Gefangenschaft. Die Verhaftungswelle läuft seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi am 3. Juli durch die Armee. Im September wurde die Muslimbruderschaft faktisch verboten und ihr Vermögen beschlagnahmt.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Muslimbrüdern vor, sie hätten zur Tötung von Andersdenkenden bei Demonstrationen aufgerufen. In der kommenden Woche soll in Kairo ein Prozess gegen Mursi beginnen.

Unterdessen haben islamistische Studenten das Rektorat der Al-Azhar-Universität für islamische Theologie in der ägyptischen Hauptstadt Kairo gestürmt. Die Anhänger der Muslimbruderschaft verlangten die Wiedereinsetzung Mursis in sein Amt. Verletzt wurde bei den Krawallen niemand, es entstanden Sachschäden. Die Al-Azhar-Universität und die ihr angeschlossene Moschee gelten als wichtigste Stätte theologischer Gelehrsamkeit für den sunnitischen Islam.

Bei Protesten seit dem Sturz Mursis gab es bereits mehr als 1000 Tote. Als Konsequenz plant die Regierung eine Verschärfung des Demonstrationsrechts. Menschenrechtsgruppen und liberale Politiker äußerten sich besorgt. Human Rights Watch sprach von einer Blankovollmacht für ein Verbot von Protesten. Der Ausgang der Debatte werde zeigen, wie viele politische Freiheiten die Regierung künftig zu geben bereit sei.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB