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BP zieht sich von Sponsoring zurück:Geldquelle im Schloss Bellevue versiegt

Das Sommerfest des Bundespräsidenten wird traditionell von Sponsoren aus der Wirtschaft finanziert - vorgesehen war auch BP. Nach Kritik aus der Opposition zieht sich der umstrittene Mineralölkonzern nun zurück.

Seit neun Wochen sprudelt das Öl. Viele Millionen Liter sind seit dem Unfall an der Bohrplattform Deepwater Horizon ins Meer geflossen und verschmutzen den Golf von Mexiko. Der verantwortliche Mineralölkonzern BP hat es noch immer nicht geschafft, das Leck zu stopfen.

Der Mineralölkonzern BP hat sich vom Sponsoring des Präsidentenfestes im Schloss Bellevue zurückgezogen.

(Foto: ap)

In Berlin sollte derweil das Geld sprudeln: Das Bundespräsidentenamt lässt sich finanziell unter die Arme greifen, wenn es am 2. Juli das Sommerfest des neuen Bundespräsidenten im Schloss Bellevue ausrichtet. Als Sponsor vorgesehen war auch BP.

Nicht jeder war mit diesem Geldgeber einverstanden. "BP sollte das Geld lieber den Opfern der Ölpest im Golf von Mexiko geben", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel der Bild-Zeitung. "Jede Fischerfamilie braucht es dort mehr als die Gäste auf dem Fest des Bundespräsidenten. Ich würde mich schämen, im Schloss Bellevue von BP bewirtet zu werden, während die Menschen am Golf von Mexiko um jeden Cent Entschädigung kämpfen müssen."

Auch Grünen-Chefin Claudia Roth ist es "völlig unverständlich", warum das Präsidialamt die Veranstaltung von BP sponsorn lässt. "Es wäre obszön, wenn auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten von BP bezahlte Häppchen verspeist werden, während im Golf von Mexiko durch das Verschulden von BP unzählige Vögel und Meerestiere in der klebrigen Ölschlacke verenden", sagte die Roth der Onlineausgabe des Handelsblatt.

Inzwischen hat sich BP vom Sponsoring des Präsidentenfestes zurückgezogen. "BP möchte in keiner Weise Anlass zu Diskussionen im Umfeld des Sommerfestes geben und damit die eigentliche Intention des Festes stören", teilte die deutsche Konzerntochter in Bochum mit. Auf den langjährigen Einsatz von Mitarbeitern für soziale und bürgerschaftliche Projekte aufmerksam zu machen, wie ursprünglich geplant, "erscheint uns so nicht mehr möglich zu sein."

Gabriel hatte auch grundsätzlich kritisiert, dass das Sommerfest des Bundespräsidenten ausschließlich mit Sponsorengeldern finanziert wird. "Ein Land wie Deutschland sollte sich das Fest seines Staatsoberhauptes nicht von Sponsoren aus der Wirtschaft finanzieren lassen", sagte der SPD-Chef. "Das können wir uns auch in Zeiten knapper Kassen nun wirklich leisten." Wenn der Bundespräsident Bürger zum Sommerfest einlade, um sie für besonderes Engagement zu ehren, "dann werden wir das Geld dafür doch wohl noch in unserem Staatshaushalt finden".

Das Sommerfest des Bundespräsidenten steht in diesem Jahr im Zeichen des 20. Jubiläums der Wiedervereinigung. Die Feier soll vom künftigen Staatsoberhaupt eröffnet werden, das am 30. Juni gewählt wird.

© sueddeutsche.de/AFP/liv/segi

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