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Fernsehduelle im US-Wahlkampf:Romneys Chancen stehen gut

Und er begriff schnell, dass er verloren hatte: Kurz nach der Sendung erkundigte sich seine eigene Mutter, ob ihr Sohn krank sei. Vor seinem fatalen Auftritt hatte Nixon knapp vorn gelegen, nach dem vierten und letzten Duell hatte Kennedy vier Prozentpunkte Vorsprung.

TV-Duell USA Wahl Barack Obama Mitt Romney

Barack Obama ging zwei Tage lang in Las Vegas in Klausur. Er mühte sich an John Kerry ab.

(Foto: AFP)

Ähnlich eindeutig sollte sich das Blatt nur noch einmal wenden. Im Jahr 2000 wähnte sich der damalige Vizepräsident Al Gore vor dem ersten Schlagabtausch mit George W. Bush sicher, Umfragen sahen ihn acht Punkte vorn. Nach drei Debatten jedoch hatte der Demokrat alles verspielt, plötzlich genoss der Republikaner einen Vorteil von vier Prozent.

Entscheidend für den Umschwung waren nicht irgendwelche Pannen auf Seiten Gores. Die Republikaner gewannen das Duell im sogenannten Spin Room, wo treue Deuter beider Lager den Journalisten wieder und wieder erklärten, warum ihr Mann gewonnen habe. Bushs "Spin-Doktoren" verbreiteten damals die Deutung, Gore sei überheblich gewesen und habe mit seinen häufigen, laut vernehmbaren Seufzern seinen Gegner respektlos behandelt. Die Presse interpretierte Bush zum Sieger, das Volk folgte.

Barack Obama kennt die Gefahr, im Fernsehen arrogant zu wirken. Während des Vorwahlkampfs 2008 äußerte er einmal in einem TV-Duell herablassend, seine neben ihm stehende Nemesis Hillary Clinton sei "liebenswert genug". Prompt verlor der ansonsten so begabte Orator die nächste Primary. Um solche Patzer zu vermeiden, üben beide Kontrahenten tagelang gestanzte Sätze ein. Beide trainieren wie Boxer, mit Sparringspartnern.

Mitt Romney nutzt die Dienste von Rob Portman, der schon 2008 für John McCain die Obama-Kopie spielte. Und Barack Obama, der zwei Tage lang in Las Vegas in Klausur gegangen ist, müht sich an John Kerry ab. Der unterlegene Präsidentschaftsbewerber von 2004 stammt aus Massachusetts, also jenem Staat, wo Romney einst als Gouverneur regierte.

Romney hat, wie alle Herausforderer seit 1976, eine gute Chance. In jenem Jahr setzte sich der Reigen der TV-Debatten fort (zuvor hatte Nixon, der Präsident von 1969 bis 1974, sich jedem neuen Teleduell verweigert). Und Jimmy Carter, der Demokrat, führte den Amtsinhaber Gerald Ford ebenso vor, wie es vier Jahre später der Republikaner Ronald Reagan mit ihm anstellte. Als Grund für diese Schwäche aller Amtsinhaber hat der Politologe Samuel Popkin den Kokon ausgemacht, in dem jeder Präsident lebt: "Keiner seiner Mitarbeiter stellt wirklich mal die Motive eines Präsidenten infrage, niemand fordert ihn heraus."

Popkin hat es selbst erlebt, 1980 diente er Carter als Sparringspartner für die Duelle mit Reagan. Nach zehn Minuten habe Carter das Training abbrechen wollen, so wütend sei er gewesen über all den ungewohnten Widerspruch. "Ich fürchtete, der Secret Service würde mir die Knie wegschlagen." In der wirklichen Debatte gewann Reagan klar - aber das bestätigte damals nur den Trend. Die Umfragen prophezeiten bereits, Carter werde untergehen.

Anmerkung der Redaktion: Die unterschiedliche Wirkung der Debatte zwischen Nixon und Kennedy 1960 auf TV- und Radio-Rezipienten ist umstritten. Es gibt Zweifel an der Aussagekraft der Umfrage, der zufolge Nixon bei Radiohörern besser abschnitt. Mehr zu Mythen und zur Geschichte der amerikanischen TV-Duelle lesen Sie in diesem SZ.de-Artikel.