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Ferngesteuerte Drohnen:Krieg mit dem Joystick

In Pakistan sind 50 Menschen durch Raketen einer Drohne gestorben, die offenbar von den USA aus gesteuert wurde.

Oliver Meiler

Ein leises Surren aus der Höhe kündigt den Tod an. Im Nordwesten Pakistans haben erneut Raketen, die von unbemannten Drohnen des Typs Reaper abgefeuert wurden, ihr Ziel getroffen und nach Angaben aus pakistanischen Geheimdienstkreisen Dutzende Extremisten getötet. Über die Zahl der dabei ums Leben gekommenen Zivilisten wurde zunächst nichts bekannt.

Die ferngesteuerte Drohne

Reaper

ist elf Meter lang und hat eine Spannweite von 20 Metern.

(Foto: Foto: AFP)

Ferngesteuert wurden die unbemannte Drohnen wohl auch dieses Mal von einer Zentrale der amerikanischen Luftwaffe in der Nähe von Las Vegas aus, im Wüstenstaat Nevada, Tausende Kilometer entfernt von den rauen Bergen im pakistanischen Süd-Wasiristan. Ein Offizier dürfte die Operation am Joystick geleitet haben, vor dem Bildschirm mit Radarbildern der Reaper. Die Übermittlung seiner Befehlssignale aus Las Vegas nach Pakistan dauert nur 1,2 Sekunden.

Serie von Angriffen

Mindestens 50 Extremisten sollen bei der jüngsten Serie von Drohnen-Angriffen umgekommen sein - so viele wie noch nie bei einer einzelnen Operation. Die meisten von ihnen hatten laut pakistanischen Medien an der Bestattung eines getöteten Taliban-Führers teilgenommen.

Eine Drohne, die nach einem früheren Einsatz noch immer in 8000 Meter Höhe über dem Ort kreiste, soll daraufhin erneut zugeschlagen und offenbar eine ganze Reihe von Kaderleuten getroffen haben. Möglich ist das, weil eine Reaper gut 40 Stunden fliegen kann, bevor sie auftanken muss - ungleich länger als die sehr viel lauteren und teureren bemannten Kampfjets, die nur kurz in der Luft bleiben können.

Das eigentliche Ziel der Attacke aber, der 35-jährige Taliban-Chef Baitullah Mehsud, Pakistans gefährlichster und mächtigster Islamistenführer, entging dem Angriff. Auch er soll bei der Beerdigung gewesen sein. Mehsud sagte einmal, er profitiere von den Angriffen der Drohnen: Die vielen zivilen Opfer durch die Attacken treibe ihm viele neue Kämpfer zu. Diese Art der Kriegsführung auf Distanz sei unter Stammesleuten als feige verpönt.

Möglichst kein Nahkampf

Die USA wollen den Nahkampf vermeiden, um nicht die eigenen Truppen unnötig in Gefahr zu bringen. Andererseits nehmen die Amerikaner damit auch auf die Sensibilität der Regierung in Islamabad Rücksicht, die ihrem Volk einen Einsatz von US-Bodentruppen auf pakistanischem Boden nur schlecht erklären könnte. Und so hat man sich zwischen Islamabad und Washington wohl auf eine Formel geeinigt: Pakistans Regierung lässt die Drohnen-Angriffe zu, darf sich jedoch öffentlich jedes Mal darüber ereifern. In der rituellen Stellungnahme heißt es nach jeder Attacke, Pakistan verbiete sich die Verletzung der nationalen Souveränität.

Ursprünglich hatte das US-Militär die Drohnen als Spähflugzeuge konstruiert, die nicht bewaffnet wurden. Im Zuge des Afghanistenkrieges wurden die Fluggeräte dann mit Raketen ausgerüstet. Im pakistanischen Nordwesten, einem Rückzugsgebiet für Taliban- und Al-Quaida-Kämpfer, kommen die Maschinen seit 2006 relativ oft zum Einsatz. Die neue US-Regierung hat diese Luftoffensive sogar intensiviert. Bei der Lokalisierung der Ziele kann das US-Militär sich laut Militärexperten auf Hinweise von Informanten und Agenten am Ort stützen.

Trotz dramatischer Kollateralschäden gelten die Drohnen als erfolgreiche Waffe im Kampf gegen al-Qaida und Taliban. Nun sollen die Angriffe offenbar auch auf die Provinz Balutschistan ausgeweitet werden. Nahe der Provinzhauptstadt Quetta wird die Führungsspitze der afghanischen Taliban vermutet.

© SZ vom 25.6.2009/vw

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