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Fehlplanungen beim Flughafen Berlin-Brandenburg:Berliner Dachschaden

Pannen passieren bei fast jedem großen Bauprojekt. Im Falle des neuen Berliner Flughafens ist es jedoch keine einzelne Panne mehr, sondern eine systematische Fehlplanung. Den Preis zahlen die Bürger.

Tanjev Schultz

Das hat Willy Brandt nicht verdient. Der neue Flughafen von Berlin und Brandenburg trägt seinen Namen. Es sollte eine Ehre sein. Nun steht das Projekt für eine der bundesweit größten Blamagen in der Geschichte des öffentlichen Bauens. Erst im März 2013 soll der Flughafen eröffnet werden. Für die erneute Verschiebung des Termins trägt Brandts politischer Enkel Klaus Wowereit als Chef des Aufsichtsrats eine Mitverantwortung. Dass jetzt einer der Manager geschasst wird, ändert nichts daran, dass Wowereit eine effektive Kontrolle versäumte.

Verantwortung tragen aber auch das Land Brandenburg und die Bundesregierung. Der Staatssekretär des Bundesverkehrsministeriums sitzt mit im Aufsichtsrat. Wowereit war nicht der Einzige, der geschlafen hat. Pannen passieren bei fast jedem großen Bauprojekt. Im Falle des Flughafens ist es jedoch keine einzelne Panne mehr, sondern eine systematische Fehlplanung. Den Preis zahlen die Bürger.

Die Politiker werden die nächste Zeit viel damit zu tun haben, zu erklären, wie es so weit kommen konnte. Und welchen Grund es geben sollte, darauf zu vertrauen, dass sie nun alles im Griff haben. Wie oft im Leben eines Politikers kommt es vor, dass er einen Großflughafen einweihen darf? Wowereit und Co. haben sich beim Willy-Brandt-Flughafen negativ in die Geschichte eingeschrieben.

Willy Brandt hat übrigens beim Fliegen manche schlechte Erfahrung gemacht. Im Sommer 1967 - Brandt war Außenminister - mussten seine Flüge vier Mal innerhalb kurzer Zeit verschoben werden. "Die Maschine ist wieder kaputt", soll er genervt gesagt haben. Diesmal sei es ein Antennenschaden, erklärte man ihm. Brandt antwortete: "Ich glaube eher, es ist ein Dachschaden."

© SZ vom 18.05.2012/wolf
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