bedeckt München 17°

FDP-Vorsitzende:Hoch auf dem gelben Wagen

Der erste war Verfassungsvater, ein anderer Hobbysänger, einer trug einen Nazi-Orden: An der Spitze der FDP standen sehr unterschiedliche Persönlichkeiten - eine Übersicht.

15 Bilder

FDP leader Westerwelle speaks to his predecessors Graf Lambsdorff and Genscher following his key-note speech at a three-day FDP party congress in Hanover

Quelle: Wolfgang Rattay/Reuters

1 / 15

Der erste war Verfassungsvater, ein anderer Hobbysänger, einer trug gerne seinen Nazi-Orden: An der Spitze der FDP standen sehr unterschiedliche Persönlichkeiten. Blieb der Erfolg aus, waren die Freien Demokraten nicht zimperlich mit ihren Chefs.

Im Bild: Die Ex-Parteichefs Lambsdorff (M.) und Genscher (re.) im Jahre 2009 mit dem damaligen FDP-Vorsitzenden Westerwelle.

-

Quelle: AP

2 / 15

FDP-Vorsitzende:Theodor Heuss

Von 1948 bis 1949: Theodor Heuss war in der Weimarer Republik Reichstagsabgeordneter der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP), später Deutsche Staatspartei, und stimmte mit seiner Fraktion 1933 Hitlers Ermächtigungsgesetz zu. In der NS-Zeit war der Journalist Repressalien ausgesetzt. Nach dem Krieg schaltete sich Heuss erneut in die Politik ein, übernahm unter anderem das Amt des Kultusministers in Württemberg-Baden. 1948 gründete er mit anderen liberalen Politikern die FDP und wurde deren erster Parteivorsitzender. Die Freien Demokraten waren zu diesem Zeitpunkt vor allem von zwei Strömungen geprägt: der eher rechten, die auf die Nationalliberale Partei zurückging, und der eher links orientierten, die in der DDP wurzelte. Bereits ein Jahr später gab Heuss den Parteivorsitz ab und wurde der erste Bundespräsident der Bundesrepublik. Heuss gilt als einer der wichtigsten Väter des Grundgesetzes: Er war Vorsitzender der FDP-Fraktion im Parlamentarischen Rat, seine Handschrift tragen die Präambel sowie die Formulierungen der Grundrechte.

Die FDP Bundesparteivorsitzenden

Quelle: picture alliance / dpa

3 / 15

FDP-Vorsitzende:Franz Blücher

Von 1949 bis 1954: Heuss' Nachfolger wurde dessen Stellvertreter Franz Blücher. Der stand zunächst ohne Parteitagsvotum an der Spitze der FDP und führte als solcher die Verhandlungen zur Bildung der ersten Bundesregierung. 1949 ernannte ihn Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) zum Bundesminister für den Marshall-Plan sowie zu seinem Stellvertreter. Blücher war jedoch mit den Flügelkämpfen innerhalb seiner Partei überfordert und wurde 1953 für die angebliche Unterwanderung der FDP durch ehemalige Nationalsozialisten verantwortlich gemacht. Als die FDP bei der Bundestagswahl 1953 hohe Stimmverluste einfuhr, reagierte die Partei wenig zimperlich: Thomas Dehler löste den glücklosen Vorsitzenden an der Parteispitze ab.

Die FDP Bundesparteivorsitzenden

Quelle: picture alliance / dpa

4 / 15

FDP-Vorsitzende:Thomas Dehler

Von 1954 bis 1957: Von Thomas Dehler, nach dem auch die FDP-Parteizentrale in Berlin benannt ist, erhofften sich die Freidemokraten eine Schärfung ihres liberalen Profils. Mit dem Mann, der von 1949 bis 1953 Bundesjustizminister war, verbindet die FDP bis heute den Anspruch einer Bürgerrechtspartei. Dehler gilt als eine der eigenwilligsten Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsjahrzehnte: Bekannt ist er vor allem für seine Sonntagsreden, mit der er als Justizminister einige Koalitionskrisen auslöste. 1956 löste Dehler in der FDP einen heftigen Streit um die West-Ausrichtung der deutschen Außenpolitik aus. Bei der Bundestagswahl 1957 mussten die Liberalen eine herbe Niederlage einstecken, die Dehler angelastet wurde. Der Vorsitzende zog die Konsequenzen aus dem Unmut der Parteifreunde - und gab seinen Posten ab.

Die FDP Bundesparteivorsitzenden

Quelle: picture alliance / dpa

5 / 15

FDP-Vorsitzende:Reinhold Maier

Von 1957 bis 1960: Dehlers Nachfolger, Reinhold Maier, erhielt bei seiner Wahl 1957 mit 97,8 Prozent das beste Ergebnis aller FDP-Chefs: Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg - der bislang einzige Landes-Regierungschef in der Geschichte der Partei - galt als scharfer Gegner Adenauers, dessen CDU zu dieser Zeit im Bundestag mit einer absoluten Mehrheit regierte. 1959 legte Maier sein Mandat nieder, um sich der Landespolitik in Baden-Württemberg zu widmen. Ein Jahr später folgte sein kompletter Rückzug aus der Spitze: Maier gab den Bundesvorsitz aus Altersgründen an Erich Mende ab.

Erich Mende mit Frau Margot, 1958 FDP

Quelle: DPA

6 / 15

FDP-Vorsitzende:Erich Mende

Von 1960 bis 1968: Erich Mende führte die FDP zurück ins Regierungslager. Unter seinem Vorsitz erreichte die FDP 1961 ein Rekordergebnis von 12,8 Prozent. Allerdings haftet den Liberalen seither der Ruf einer Umfallerpartei an: Mende hatte im Wahlkampf angekündigt, man würde Adenauer nicht mehr zum Kanzler wählen - was die FDP aber dann doch tat. Mit Mende rückte das bürgerliche Milieu an die Spitze der Partei: Der Nationalliberale galt als Repräsentant der Frontgeneration des Zweiten Weltkriegs, zeigte sich stets stolz auf seine soldatische Vergangenheit - der Ex-Wehrmachtsoffizier trug gerne auch sein Ritterkreuz. Bei der Bundestagswahl 1965 fiel die FDP zurück auf 9,5 Prozent. Im Folgejahr brach die Koalition unter Kanzler Ludwig Erhard (CDU) nach dem Rücktritt der vier FDP-Minister auseinander, die Liberalen fanden sich in der Opposition wieder. Die Partei machte den Rechtsruck ihres Vorsitzenden für das Scheitern der Koalition verantwortlich. Mende verzichtete 1968 auf eine neue Kandidatur - und wechselte später zur CDU.

Walter Scheel

Quelle: dpa

7 / 15

FDP-Vorsitzende:Walter Scheel

Von 1968 bis 1974: Die "Jungtürken" um Walter Scheel hatten die Ablösung des nationalliberalen Parteivorsitzenden Mende zielgerichtet betrieben: Scheel, Hans-Dietrich Genscher und Willy Weyer wollten ihre Partei in der politischen Mitte positionieren, um sie sowohl mit der Union als auch mit der SPD koalitionsfähig zu machen. Auf dem FDP-Parteitag 1968 wurde Scheel mit großer Mehrheit zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Unter seiner Führung gewann die FDP ein neues, sozialliberales Profil. Nach der Bundestagswahl 1969 einigte sich Scheel mit SPD-Chef Willy Brandt auf die Bildung einer sozialliberalen Koalition: Brandt wurde Kanzler, Scheel übernahm das Amt des Außenministers. 1974 legte er den Parteivorsitz nieder, um Bundespräsident zu werden. Geschichte schrieb Scheel auch als Hobbysänger: Er macht das Volkslied "Hoch auf dem Gelben Wagen" zum Hit.

Hans-Dietrich Genscher, 1996

Quelle: AP

8 / 15

FDP-Vorsitzende:Hans-Dietrich Genscher

Von 1974 bis 1985: Als Nachfolger von Walter Scheel bestimmte Hans-Dietrich Genscher maßgeblich die Inhalte der FDP. Neben seinem Amt als Parteichef war Genscher Außenminister und Vizekanzler, mehrfach wurde er im Bundesvorsitz bestätigt. Genscher beschwor die Rückbesinnung auf marktwirtschaftliche Grundsätze und trat gegen die Proteste des linksliberalen Flügels 1982 in Koalitionsverhandlungen mit der Union ein. 1985 gab er den Vorsitz wegen Kritik an seinem Führungsstil auf, behielt aber sein Amt als Außenminister unter Kanzler Helmut Kohl (CDU). Als solcher machte Genscher den gelben Pullunder zu seinem Markenzeichen: Das geschichtsträchtige Kleidungsstück trug er unter anderem beim Mauerfall 1989.

BANGEMANN

Quelle: AP

9 / 15

FDP-Vorsitzende:Martin Bangemann

Von 1985 bis 1988: Genscher benannte überraschend Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann als Kandidaten für seine Nachfolge. Allerdings fiel es Bangemann schwer, aus dem Schatten seines Vorgängers herauszutreten: Die Erfolge, die die FDP bei Wahlen einheimste, wurden Genscher zugeschrieben. Am Ende seiner Amtszeit sah er sich immer heftigerer Kritik aus der Basis ausgesetzt, 1988 schließlich verkündete Bangemann, der auch als Wirtschaftsminister wenige eigene Akzente setzen konnte, den Verzicht auf eine erneute Kandidatur und wechselte nach Brüssel - zur EU-Kommission.

PK OTTO GRAF LAMBSDORFF

Quelle: DPA/DPAWEB

10 / 15

FDP-Vorsitzende:Otto Graf Lambsdorff

Von 1988 bis 1993: Otto Graf Lambsdorff setzte sich 1988 als Vertreter des ökonomischen Flügels an der Parteispitze durch. Der ehemalige Wirtschaftsminister, der 1987 im Zuge der Affäre um den Flick-Konzern von seinem Amt zurückgetreten war, profitierte nach dem Wendejahr 1989 als FDP-Vorsitzender insbesondere von der Rolle des Außenministers und gebürtigen Ostdeutschen Genscher: Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Thüringen erzielte die Partei zweistellige Ergebnisse, bei der Bundestagswahl 1990 erreichte die FDP ein Rekordergebnis von elf Prozent. 1993 schied Lambsdorff aus dem Amt.

KINKEL

Quelle: AP

11 / 15

FDP-Vorsitzende:Klaus Kinkel

Von 1993 bis 1995: Klaus Kinkel war früher Chef des Bundesnachrichtendienstes, in die FDP trat er erst 1991 ein und wurde im Folge Jahr Bundesjustizminister. Nach dem Amt des Außenministers 1992 übernahm Klaus Kinkel 1993 zusätzlich den Parteivorsitz - und damit eine schwierige Rolle. Denn die FDP musste nach dem Erfolg bei der Bundestagswahl 1990 herbe Verluste bei Kommunal- und Landtagswahlen einstecken und fürchtete um ihre Rolle als Mehrheitsbeschafferin. Kinkel präsentierte die FDP erneut als Wirtschaftspartei und setzte verstärkt auf die Förderung von Leistungseliten. Nachdem die FDP in Nordrhein-Westfalen und Bremen 1995 aus den Landesparlamenten flog, trat Kinkel den Posten als Vorsitzender nicht wieder an, blieb allerdings weiterhin Außenminister unter Kohl - bis zur schwarz-gelben Wahlniederlage 1998. Eine wichtige und folgenreiche Personalentscheidung traf Kinkel dennoch in seiner erfolgsarmen Amtszeit. 1994 bestellte er einen jungen Bonner zum Generalsekretär: Guido Westerwelle.

Wolfgang Gerhardt wird 65

Quelle: dpa

12 / 15

FDP-Vorsitzende:Wolfgang Gerhardt

Von 1995 bis 2001: Kinkels Nachfolger wurde der hessische FDP-Chef Wolfgang Gerhardt. Der präsentierte sich als wirtschaftsliberal und konsensorientiert. Während sich die Partei auf Bundesebene bei um die fünf Prozent einpendelte, schafften die FDP-Länderchefs in Schleswig Holstein, Wolfgang Kubicki und Nordrhein-Westfalen, Jürgen Möllemann, den Wiedereinzug in den Landtag. 2000 kam es zum heftigen Konflikt in der Parteispitze. Im Januar 2001 verzichtete der Gerhardt zugunsten von FDP-Generalsekretär Westerwelle auf die Parteiführung. Die Lösung war unter Mithilfe von Gerhardts innerparteilichem Gegenspieler Möllemann ausgehandelt worden.

Westerwelle raeumt FDP-Vorsitz

Quelle: dapd

13 / 15

FDP-Vorsitzende:Guido Westerwelle

Von 2001 bis 2011: Mit 39 Jahren wurde Guido Westerwelle zum jüngsten Parteivorsitzenden der FDP gewählt. Zunächst inszenierte Westerwelle den politischen Liberalismus als Spaßerlebnis: Schon als Generalsekretär besuchte er den "Big Brother-Container". 2002 rief er das "Projekt 18" aus - den von Möllemann übernommenen Plan, die FDP zur Volkspartei zu machen. Um den Anspruch zu unterstreichen, ließ er sich zu Wahl 2002 zum ersten FDP-Kanzlerkandidaten küren. Allerdings blieb sie bei der Bundestagswahl mit 7,4 Prozent weit hinter ihren ehrgeizigen Zielen zurück. 2003 setzte Westerwelle außerdem die Möllemann-Affäre schwer zu. Bei den Bundestagswahlen 2005 fand sich die FDP in der Opposition wieder. 2009 schrieb Westerwelle mit einem Rekordergebnis für seine Partei Geschichte: Mit 14,6 Prozent führte er die FDP zurück an die Macht, Westerwelle übernahm das Amt des Außenministers und des Vizekanzlers. Doch mit dem Erfolg begann der Abstieg: "Mövenpick-Spenden", "Dekadenz"-Debatte" und das gekippte Steuersenkungsversprechen wurden negative Höhepunkte, die Partei verlor massiv bei Landtagswahlen, die FDP fürchtete um ihre Existenz. Im April 2011 verlor er den Vorsitz, nach der Wahlpleite 2013 sein Ministeramt. Westerwelle erlag am 18. März 2016 den Folgen seiner Krebserkrankung.

FDP- Chef Wirtschaftsminister Rösler Saudi Arabien

Quelle: dpa

14 / 15

FDP-Vorsitzende:Philipp Rösler

2011 bis 2013: Philipp Rösler übernahm eine malade Regierungspartei - und galt schon bald als Fehlbesetzung. Der Niedersachse wechselte zwar vom Gesundheitsministerium ins prestigeträchtigere Wirtschaftsministerium und übernahm den klingenden Titel "Vizekanzler". Aber ansonsten klappte recht wenig in der Ägide Rösler: Reihenweise flogen die Liberalen bei Wahlen aus den Landtagen. Rösler setzte Joachim Gauck als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten durch. Kurz nach der Wahlniederlage 2013, bei der die FDP erstmals aus dem Bundestag flog, gab Rösler den Vorsitz auf. Seither ist er Manager beim Weltwirtschaftsforum.

FDP-Bundesparteitag

Quelle: dpa

15 / 15

Seit 2013: Christian Lindner fungierte erfolgslos, aber medienwirksam als Generalsekretär. Seit der verheerenden Niederlage bei der vergangenen Bundestagswahl versucht er sich am Wideraufbau der FDP. Seit seinem Amtsantritt konnte die Partei tatsächlich wieder bei Landtagswahlen punkten. Interessant wird, ob die Partei im Herbst 2017 auch den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen wird.

© SZ.de/hai/odg/gba/lala

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite