bedeckt München 19°
vgwortpixel

FDP vor Dreikönigstreffen:Liberale wünschen Westerwelle-Wunder

Umfragedesaster, Mitgliederschwund und ein angezählter Parteichef: Die FDP ist am Boden. Die SZ hat führende Liberale gefragt, was sie von Frontmann Guido Westerwelle jetzt erwarten.

Die gute Nachricht für Guido Westerwelle lautet: Namhafte FDP-Landespolitiker wollen ihn als Parteichef nicht stürzen. Die schlechte Nachricht: Die gute Nachricht kann am 6. Januar ihre Gültigkeit verlieren.

Dreikönigstreffen der FDP Westerwelle

Gewünschte "Ruck-Rede" für die darbenden Freidemokraten: Namhafte Liberale aus den Landesverbänden erwarten einen richtungsweisenden Auftritt von FDP-Chef Guido Westerwelle beim Dreikönigstreffen. Diese Aufnahme entstand im Januar 2010 auf der traditionellen Veranstaltung in Stuttgart.

(Foto: dpa)

An diesem Tag kommen die Liberalen traditionell zu ihrem Dreikönigstreffen zusammen, bei dem der Bundesvorsitzende die Erfolge des vergangenen Jahres resümiert und den Kurs für das kommende festzurrt. Triumphe gibt es in Stuttgart diesmal nicht zu verkünden, im Gegenteil: In der Regierung hat die Westerwelle-Truppe kein einziges liberales Kernthema durchgebracht, ein massiver Mitgliederschwund hat begonnen; die Verbliebenen blicken bang auf die Umfragewerte ihrer - im Moment - Drei-Prozent-Partei. Über allem thront Westerwelle, für den Stuttgart inzwischen wohl vor allem bedeutet: Die letzte realistische Chance, den Vorsitz zu behalten.

Trendwende, unbedingt: Auf diesen Nenner lässt sich die vorherrschende Erwartungshaltung der FDP-Landesverbände an Westerwelles Stuttgarter Auftritt bringen. Die Süddeutsche Zeitung hat mit namhaften Vertretern nahezu aller Landesverbände der FDP über die Misere gesprochen.

Landesparteichefs und Generalsekretäre, Parteivorstände und Regierungsmitglieder - sie alle hoffen auf einen Guido Westerwelle, der seine frustrierte Partei aufrichtet: Der Chef müsse für eine "Initialzündung" sorgen, die "neue Begeisterung entfacht", sagt etwa Michael Roolf, der FDP-Fraktionschef im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern.

Hoffnung auf eine Ruck-Rede

Ähnliche Töne sind von den anderen liberalen Landesgranden zu vernehmen: Er hoffe, dass Westerwelle in Stuttgart deutlich macht, dass die "FDP dringender denn je gebraucht wird", sagt Bremens FDP-Chef Oliver Möllenstädt. Ein anderer Landesvorsitzender sagt, Westerwelle und der waidwunden Partei helfe mittlerweile nurmehr eine "Ruck-Rede".

Gerry Kley, FDP-Vorstandsmitglied aus Sachsen-Anhalt, meint, "inhaltlich sollte eine Road-Map gezeichnet werden, wie man sich 2011 vorstellt." Man erwarte am 6. Januar ein "Signal der Geschlossenheit", sagt der Brandenburger FDP-Generalsekretär Gregor Beyer. "Dieses Signal zu setzen ist Aufgabe von Guido Westerwelle, aber auch von uns allen als Team. " Holger Zastrow, der FDP-Fraktionschef im sächsischen Landtag, erwartet von der Parteispitze eine "selbstkritische Analyse und eine strategische Neuausrichtung".

Die bayerische FDP-Landesvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger wünscht sich, dass von Stuttgart eine "Aufbruchstimmung" ausgeht. "Ich erwarte, dass Guido Westerwelle zu Dreikönig eine klare inhaltliche Ausrichtung vorgibt", sagt die Bundesjustizministerin. "Er muss zeigen, wie die Liberalen die Landtagswahlen bestehen sollen."

Richard Drautz gehört zu jenen FDP-Landesverbänden, in denen 2011 der Landtag gewählt wird. Der Weinbaumeister sitzt als Wirtschaftsstaatsekretär mit Kabinettsrang in der baden-württembergischen Landesregierung und erwartet vom Parteichef, dass er eigene Fehler eingesteht: "Westerwelles Rede sollte selbstkritisch sein", sagt Drautz, und sie solle "motivieren". Ähnlich hatte Lasse Becker, Chef der Jungen Liberalen (JuLis), im sueddeutsche.de-Interview seinen Wunschzettel für den Dreikönigstag formuliert.

Einen Auftritt, der das Eingeständnis von Fehleinschätzungen nicht ausspart, erwartet auch Jorgo Chatzimarkakis, Europaabgeordneter, Mitglied des FDP-Bundesvorstandes und bis vor kurzem Generalsekretär der saarländischen Liberalen. "Ich wünsche Guido Westerwelle die Rede seines Lebens", sagt Chatzimarkakis. "Zu dieser Rede gehört auch eine Portion Selbsterkenntnis." Es müsse eine authentische, realistische Selbsteinschätzung sein, damit er auch glaubhaft sei und den "aktuellen Zeitgeist" brechen könne.

Dieser "Zeitgeist" schlägt sich darin nieder, dass die großen Landesverbände der Liberalen binnen eines Jahres bis zu fünf Prozent ihrer Mitglieder verloren haben, während die Grünen ein sattes Plus von rund zehn Prozent verzeichnen. Der "Zeitgeist" sieht die grüne Konkurrenz bei 20 Prozent - und die als "Mövenpick-Partei" verspottete FDP in der außerparlamentarischen Opposition.

FDP: Guido Westerwelle

Der Mann, der Merkel "Mutti" nannte