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FDP vor dem Dreikönigstreffen:Der FDP-Chef kann nur verlieren

Im Grunde ist das Szenario klar: Fliegt die FDP nach der Niedersachsenwahl aus dem Landtag, war es das mit Rösler. In seinem Umfeld heißt es, er wisse, was er dann am Wahlabend zu tun habe. Manche sagen, das sei das Beste, was der FDP mit Blick auf die Bundestagswahl passieren könne. Erst eine krachende Niederlage werde die nötige Energie für einen neuen Aufbruch freisetzen.

Vielleicht bleibt Rösler - wie Westerwelle vor zwei Jahren - noch bis Mai Parteichef. Vielleicht geht er aber auch sofort, wenn ein designierter neuer Parteichef gefunden ist. Das kann dann kaum ein anderer sein als Fraktionschef Rainer Brüderle.

Dem liberalen Schlachtross wird am ehesten zugetraut, die FDP im Bund noch irgendwie über die Fünf-Prozent-Hürde zu hieven. Wenn das klappt, gibt es sogar eine kleine Chance, die schwarz-gelbe Koalition mit CDU und CSU fortzuführen. Die Union liegt derzeit in Umfragen bei 40 Prozent. Zwei, drei Prozent mehr und Schwarz-Gelb wäre bestätigt. Wenn auch mit einer auf Normalmaß geschrumpften FDP.

Den Umfragen nach zu urteilen ist es ein eher unwahrscheinliches Szenario - doch was passiert, wenn sich die FDP in Niedersachen knapp in den Landtag rettet und sich womöglich in der Regierung wiederfindet?

Die Situation der Liberalen dort ist anders als die bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr. Damals retteten die beiden charismatischen Spitzenkandidaten Christian Lindner und Wolfgang Kubicki, was zu retten war. Röslers vergebliche Versuche, die Erfolge mit seiner Person oder der zerstrittenen Bundes-FDP in Verbindung zu bringen, wirkten seinerzeit ziemlich hilflos.

Ein Erfolg in Niedersachsen wäre auch Röslers Erfolg

Doch gegen den braven niedersächsischen Spitzenkandidaten Birkner wirkt Rösler geradezu agil. Kaum ein Spitzenliberaler aus dem Bund engagiert sich so stark im Landtagswahlkampf wie Rösler. Das ist er seiner politischen und privaten Heimat wohl schuldig. Da könnte es ihm keiner übel nehmen, wenn Rösler sich dies als persönlichen Erfolg anheften würde.

Doch jetzt muss der Parteichef erst einmal das Dreikönigstreffen am kommenden Sonntag hinter sich bringen. Gemessen an den Erwartungen kann er nur verlieren. Eine Richtungsrede wollen die Liberalen hören, eine klare Positionierung, hinter der sich alle versammeln können. Sie wollen einen kämpfenden, aber zugleich gelassenen Rösler. Einen klugen, aber zugleich bauernschlauen Rösler. Einen gewitzten, aber nicht übermäßig intellektuellen Rösler. Kurz: Sie wollen einen Rösler, der dieser Rösler gar nicht ist.

Bis auf die Rede nach seiner Wahl zum Parteichef im Mai 2011 ist kein Auftritt von ihm überliefert, der seine Partei wirklich begeistert hätte. Schon damals profitierte Rösler allerdings vor allem vom Kontrast zu seinem schrillen und lauten Vorgänger Westerwelle.

Am Sonntag hat er einmal mehr eine Chance, sein Parteivolk von seinen Qualitäten zu überzeugen. Die größte Überraschung wäre, wenn ihm das gelänge.

© Süddeutsche.de/joku/bavo

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