bedeckt München 11°
vgwortpixel

Schwangerschaft:FDP will Vaterschaftstests vor der Geburt des Kindes erlauben

Drillinge im Kinderwagen

Wer ist der Vater? Geht es nach der FDP, soll das künftig bereits geklärt werden können, bevor das Kind auf die Welt gekommen ist.

(Foto: dpa)
  • Die FDP-Bundestagsfraktion will Vaterschaftstests vor der Geburt eines Kindes erlauben.
  • Das geht aus einem Gesetzentwurf hervor, welcher der SZ vorliegt.
  • Konkret geht es um die neuen Bluttests auf Abstammung, bei denen auf eine riskante Fruchtwasseruntersuchung verzichtet werden kann.
  • Bislang sind vorgeburtliche Vaterschaftstest in Deutschland nur erlaubt, wenn die Schwangerschaft aus einer Vergewaltigung entstanden sein könnte.

Der Schwangerschaftstest ist positiv, ein Kind ist auf dem Weg - doch eine entscheidende Frage ist ungeklärt: Wer ist der Vater? Eine solche Situation kann für Frauen ein Albtraum sein. Sie kann Partnerschaften und Familien in eine Krise stürzen, sie kann ein ganzes Leben bestimmen. Bekommt man dieses Baby, auch wenn es vielleicht ein Kuckuckskind wird? Sagt man es dem Partner oder der Affäre, sagt man es später dem Kind? Und was ist der richtige Zeitpunkt für so ein Geständnis?

Ein Vaterschaftstest, der schon vor der Geburt die Gene des Kindes prüft, würde in solchen Fällen Klarheit schaffen. Doch auch wenn ein solcher Test medizinisch möglich ist, wird er in Deutschland bloß in einem einzigen Fall erlaubt: wenn die werdende Mutter vergewaltigt wurde. Jeder anderen Frau ist ein solcher Gentest beim ungeborenen Kind verboten. Weil die Gewissheit über den "falschen" Vater zu einem Schwangerschaftsabbruch führen könnte. Und weil bis vor acht Jahren nur eine gefährliche Untersuchung des Fruchtwassers, der Plazenta oder der Nabelschnur über den Vater eines Kindes aufklären konnte. Doch seitdem haben sich die Dinge verändert.

"Ein Verbot vorgeburtlicher Vaterschaftstests ist aus der Zeit gefallen"

Seit 2012 existiert ein simpler Bluttest, der schon ab der 9. Schwangerschaftswoche Auskunft geben kann, ob die Gene des Embryos zu denen des Mannes passen. In anderen Ländern, in Österreich oder den Niederlanden etwa, sind solche Tests erlaubt. Längst floriert ein Onlinehandel mit Vaterschaftsbluttests im Ausland. "Um die Vaterschaft zu klären, ist lediglich eine Blutprobe der Mutter und ein Wangenabstrich des potenziellen Vaters erforderlich", steht zum Beispiel auf vaterschaftstest24.de. Der "innere Seelenfrieden", wie der Anbieter schreibt, kostet hier 1275 Euro, auch für deutsche Kunden.

"Ein Verbot vorgeburtlicher Vaterschaftstests ist aus der Zeit gefallen", sagt die FDP-Politikerin Katrin Helling-Plahr. Ihre Bundestagsfraktion will die Bluttests auf die Abstammung des Embryos nun in Deutschland erlauben, und zwar für alle Frauen. Schwangere und potenzielle Väter müssen heute "in der Zeit zwischen Bekanntwerden der Schwangerschaft und Geburt in konstanter Ungewissheit leben", heißt es in dem Gesetzentwurf, welcher der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Nicht nur für die Mutter, sondern auch für den tatsächlichen Vater sei diese Lage schwierig.

Wenn es nach der FDP geht, soll der Vaterschaftstest für Ungeborene allerdings in Zukunft erst nach dem Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche erlaubt werden. Denn dann endet die Frist, bis zu der Frauen in Deutschland straffrei abtreiben dürfen. Familien sollen zwar Gewissheit erhalten - aber dann nicht auf der Grundlage dieses Wissens eine Schwangerschaft beenden können. Der Rechtsmediziner Rüdiger Lessig aus Halle, der Mitglied der Gendiagnostikkommission der Bundesregierung ist, sieht bei den vorgeburtlichen Tests genau diese Gefahr: Sollte er für alle Frauen erlaubt sein, könnte er zu einer "Selektion" von ungeborenen Kindern führen, fürchtet er. Den Vater eines Babys zu kennen, ist eben keine streng medizinische Frage. Sondern lediglich eine des Seelenfriedens.

© SZ vom 28.01.2020/jsa
Familie Wir waren schon mal weiter

Familie

Wir waren schon mal weiter

Unsere Autorin trennte sich vom Vater ihres Kindes. Im Osten war das kein Problem, doch mit der Wende wurde sie zum Sozialfall. Sie sagt: Die Bundesrepublik hätte viel von der Familienpolitik der DDR lernen können.   Von Anja Maier

Zur SZ-Startseite