FDP und Linke: Nachfolge der Parteichefs:Oskar Westerwelles Erbe

Lesezeit: 2 min

Lafontaine hinterlässt Antikapitalismus, Westerwelle gescheiterten Triumphalismus. Doch FDP und Linke haben dasselbe Problem: Ohne die passenden Führungsfiguren ist Politik unmöglich.

Nico Fried

Es ist natürlich ungerecht, die FDP mit der Linken zu vergleichen. Der Linkspartei geht es ja nur schlecht, den Liberalen aber richtig schlecht, um nicht zu sagen: sauschlecht. Gleichwohl haben die zwei Parteien etwas gemeinsam: Beide haben ihre wichtigsten Führungsfiguren verloren.

Oskar Lafontaine ist als Parteichef bereits zurückgetreten. Guido Westerwelle ist noch im Amt, wird aber nie wieder eine Führungsfigur sein, wie er es mal war. Beide Parteien ziehen nun den Schluss, sich über Inhalte profilieren zu wollen. Über Sachthemen. Über das, was die Menschen beschäftigt. Oh je.

Gewiss, ohne Inhalt ist Politik nichts. Gerade diese Selbstverständlichkeit entlarvt das wahre Problem von Linken und Liberalen: Für Parteien, die um Bürger werben, um Zustimmung, sogar um eine Art Vertrauen, ist jeglicher Inhalt nichts ohne die richtige Person. Das gilt umso mehr für Randparteien, die vor allem Teilinteressen bedienen wollen: die FDP jene, die glauben, sie zahlten zu viele Steuern; die Linke jene, die glauben, sie bekämen von den Steuern zu wenig ab.

FDP und Linke waren mit diesen Botschaften zwei erfolgreiche Protestparteien, aber nur, weil sie für ihren Protest auch die passenden Botschafter hatten: Oskar Lafontaine und Guido Westerwelle suchten als Redner ihresgleichen; niemand konnte sich so wunderbar empören wie diese zwei; niemand kann die Benachteiligung seiner jeweiligen Klientel so überzeugend beklagen - und natürlich auch die eigene.

Leider gibt es aber, jedenfalls in der Bundespolitik, auch kaum zwei andere Politiker, die so gescheitert sind, wenn sie mal regieren durften, wie Lafontaine und Westerwelle. Bei beiden hatte es übrigens auch damit zu tun, dass sie im Regieren das Opponieren nicht sein lassen konnten.

Klaus Ernst kann reden, aber was noch?

Nun also Inhalte? Westerwelle hat vor einem Jahr die geistig-politische Wende versprochen. Mehr Inhalt geht ja kaum noch, allenfalls der Systemwechsel, wie ihn die Linke anstrebt. So gesehen sind Linke und Liberale extreme Parteien. Mehr Realismus könnte ihnen helfen, insbesondere der FDP, die als Regierungspartei nicht mehr nur an Worten, sondern an ihren Taten zu messen ist.

Beide Parteien aber kämpfen einstweilen mit dem Erbe ihrer Führungsfiguren: die Linke mit Lafontaines antikapitalistischem Vermächtnis, die FDP mit dem gescheiterten Triumphalismus eines Guido Westerwelle, der außerdem noch davon überzeugt werden muss, nicht unbedingt der richtige Mann zu sein, um mit Guido Westerwelles Erbe zurechtzukommen.

Die Linken können von der FDP lernen, was bleibt, wenn überzogener Anspruch und Wirklichkeit zusammenprallen. Die Liberalen können bei der Linken lernen, wie schwer es Nachfolger haben: Gesine Lötzsch scheitert allein schon an ihren Mitleid erregenden rhetorischen Fähigkeiten. Klaus Ernst kann reden, aber was noch? Linke und Liberale eint der Mangel an Leuten, die es schaffen, dass wieder von ihnen berichtet wird. Nicht nur über sie.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB