bedeckt München 16°

FDP:Generalsekretärin Teuteberg trotzt Lindner

FDP-Bundesparteitag

Schwieriges Duo: FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg und Parteichef Christian Lindner.

(Foto: Britta Pedersen/dpa)

Die Brandenburgerin zeigt Nervenstärke gegen den Parteichef. Damit erreicht ein seit Wochen schwelender Konflikt eine neue Ebene.

Von Daniel Brössler, Berlin

Als FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg kürzlich wieder einmal gefragt wurde, ob sie sich Sorgen um ihren Job mache, hätte sie das einfach verneinen können. Sie hätte noch einmal abwiegeln können, dass sie sich nicht an "Sommerlochdebatten" beteilige, woraufhin die Debatte auf kleiner Flamme weitergeköchelt wäre. Teuteberg entschied sich, ein bisschen mehr zu sagen. "Ich mache meine Arbeit. Ich bin gewählt bis zum Frühjahr", erklärte sie dem Spiegel und fügte, wie nebenbei, hinzu: "Genauso wie unser ganzes Team als Bundesvorstand und insofern gibt es dazu gar keinen Anlass."

Damit hat der seit Ende Juni schwelende Konflikt zwischen Lindner und Teuteberg eine neue Ebene erreicht. Seit Wochen gibt der Parteichef Gerüchten, er wolle Teuteberg loswerden, Nahrung, indem er ihr auch auf Nachfragen eine öffentliche Jobgarantie beharrlich verweigert. Zur Verblüffung vieler in der FDP hat Teuteberg den Spieß nun umgedreht. Elegant hat die 39-jährige Brandenburgerin ihr Schicksal mit dem des Parteivorsitzenden verknüpft. Zumindest die Satzung hat sie dabei auf ihrer Seite. "Der Generalsekretär wird auf Vorschlag des Bundesvorsitzenden für dessen Amtszeit gewählt", heißt es dort. Einfach rausschmeißen kann Lindner die Generalsekretärin nicht. Und falls es der Plan gewesen sein sollte, Teuteberg mit einer Zermürbungstaktik zur Aufgabe zu bewegen, so geht er bislang nicht auf.

Je länger der Konflikt schwelt, desto mehr schadet er auch Christian Lindner

In den soeben an die Landesverbände verschickten Einladungen für den Parteitag am 19. September ist jedenfalls für 13.30 Uhr die "Rede der Generalsekretärin der Freien Demokraten, Linda Teuteberg, MdB" angekündigt. Wie der Parteitag tatsächlich verlaufen wird, ist allerdings angesichts wachsender Nervosität bisher ungewiss. Seit Monaten verorten Umfragen die FDP in der Todeszone kaum über fünf Prozent. Das setzt Lindner unter Druck. Immer weniger verfangen, auch in der Führung, seine Beschwichtigungen.

Die Tatsache, dass Lindner den Druck nun erst einmal weitergibt an Teuteberg, erscheint vielen in der Partei nicht unplausibel. Die im Bundestag angesehene Migrationspolitikerin war im vergangenen Jahr unter großem Jubel und mit enormen Erwartungen mit 92,8 Prozent der Stimmen zur Nachfolgerin von Nicola Beer als Generalsekretärin gewählt worden. Lindner begründete die Personalie damals ganz ausdrücklich mit dem Vorhaben, die FDP "personell breiter, vielfältiger mit unterschiedlichen Temperamenten, Themen und Talenten sichtbar" zu machen. Nun aber ist es nicht zuletzt Teutebergs Temperament, das ihr zum Vorwurf gemacht wird. Die Brandenburgerin tritt meist lächelnd vor die Öffentlichkeit, formulierte zumindest anfangs nicht immer pointiert und vermeidet persönliche Angriffe. Es fehle ihr, ist rasch zu hören, an Biss und Angriffslust. Von "underperformance" spricht einer aus dem Vorstand.

Allerdings entsteht auch der Eindruck, dass Teuteberg eine Chance nutzen sollte, die sie gar nicht hatte. Was vermutlich niemand besser weiß als Lindner selbst. Von 2009 bis 2011 war er selbst Generalsekretär der FDP. "Sein dienender Charakter ist immer eine Herausforderung für eine unabhängige Persönlichkeit", beschreibt Lindner in seinem Buch "Schattenjahre" seine Schwierigkeiten mit dem Amt, von dem er Mitte Dezember 2011 plötzlich und ohne Rücksicht auf den damaligen Parteichef Philipp Rösler zurücktrat. Einzelheiten über die Hintergründe behielt Lindner mit Verweis auf das "besondere Loyalitätsverhältnis zum Vorsitzenden und zur Partei insgesamt" für sich.

Dieses "besondere Loyalitätsverhältnis" macht es auch schwer vorstellbar, dass eine Generalsekretärin ohne das Vertrauen des Vorsitzenden im Amt bleiben kann - wiewohl Teuteberg mit ihrer gerade an den Tag gelegten Nervenstärke auch Kritikern Respekt abnötigt. Je länger der Konflikt schwelt, desto mehr schadet er nun auch Lindner. "Diese Unsicherheit tut uns nicht gut. Es wäre deutlich befriedigender, wenn die Sache jetzt schnell geklärt würde", sagt Laura Schieritz, Vize-Vorsitzende der Jungen Liberalen, wie Teuteberg aus Brandenburg. Am 19. August soll im Vorstand über die verfahrene Lage gesprochen werden. Klären könnte Lindner sie womöglich, indem er sich selbst beim Parteitag erneut zur Wahl stellt und dann auch einen neuen Generalsekretär vorschlägt, etwa den Arbeitsmarktexperten Johannes Vogel oder den Innenpolitiker Konstantin Kuhle. Denkbar sei das, heißt es aus dem Vorstand, aber "auch nicht ungefährlich".

© SZ vom 06.08.2020/kit
Klausur der FDP-Bundestagsfraktion

FDP
:Lindner geht in die Offensive

Nach dem Parteivorstand stellt sich auch die Bundestags-FDP hinter ihren Chef. Der schaltet prompt wieder auf Angriff - und erläutert, warum er ganz anders dastehe als Kramp-Karrenbauer.

Von Daniel Brössler

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite