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FDP: Tage der Entscheidung für Rösler & Co:Pure Existenzangst

Kann sich aber Rösler nicht gegen Brüderle durchsetzen, hat der neue Parteichef ein echtes Problem. Er würde schon als lame duck, als lahme Ente gelten, bevor er das Amt des Parteichefs überhaupt angetreten hat. "Wenn er das Amt haben will, muss er es auch bekommen", geben ihm nahestehende Abgeordnete die Marschrichtung vor.

Mit Rösler als Parteichef und Wirtschaftsminister gerät auch Fraktionschefin Birgit Homburger in Bedrängnis. Die Landeschefin der FDP in Baden-Württemberg hat bisher ausgeschlossen, durch Rücktritt irgendeine Verantwortung für das Wahldebakel der FDP in ihrem Heimatland zu übernehmen. Sie hält sich eher für ein Opfer der Westerwelle-Politik. Manche in der FDP, allen voran Wolfgang Kubicki, FDP-Fraktionschef in Schleswig-Holstein, sehen in ihr dagegen eher einen Teil des Problems.

Homburger gilt zwar als effiziente Managerin der Fraktion. In der Außenwahrnehmung aber wirkt sie - gelinde gesagt - nicht sonderlich gewinnend. Das ist vor allem für die Jüngeren in der Fraktion ein Problem, die fast ausnahmslos über eher wacklige Listenplätze in den Bundestag gekommen sind. "Da geht es auch um pure Existenzangst", sagt ein älterer Liberaler.

Abwahlanträge gegen Homburger

Am Abend trifft sich die Junge Gruppe der FDP-Bundestagsfraktion. Etwa 30 Nachwuchspolitiker zählen sich dazu. Von verschiedenen Seiten wird kolportiert, dass die den Generationenwechsel weiter forcieren wollen. Sie bestehen darauf: Kein Posten ist sakrosankt. Auch der von Homburger nicht. Selbst von Abwahlanträgen gegen Homburger ist die Rede.

Wer Fraktionschef werden könnte, ist jedoch völlig unklar. Manche spekulieren auf Christian Lindner. Der aber hat schon durchblicken lassen, dass er die von ihm organisierte Programmdebatte in der Partei zu Ende bringen will. Das kann er nur als Generalsekretär.

Manchen geht das ohnehin alles zu schnell. In der Fraktion gibt es einen gewissen Unmut darüber, dass wieder nur im stillen Kämmerlein, in diesem Fall in Westerwelles Wohnung, die Zukunft der FDP entschieden wird. Die FDP-Parlamentarierin Sibylle Laurischk sagt zu sueddeutsche.de: "Wenn wir wirklich einen Neuanfang wollen, wäre es notwendig, die Partei bei der Findung der neuen Führung mitzunehmen."

Modelle wie eine Urabstimmung oder mehrere Kandidaten aber sind bisher nicht mal im Ansatz diskutiert worden.

© sueddeutsche.de/woja

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