Rösler auf dem FDP-Parteitag Aus Mangel an Vertrauen

FDP-Chef Rösler streichelt bei seiner Frankfurter Parteitagsrede die Seele der Delegierten. Doch nachhaltig aufrichten kann er seine existenzbedrohte Partei nicht. Die Abgeordneten jubeln lieber dem abgehalfterten Ex-Vorsitzenden Westerwelle zu.

Ein Kommentar von Peter Blechschmidt, Frankfurt

Die Mitglieder der FDP haben ihr Selbstvertrauen verloren. Dr. Philipp Rösler hat das erkannt. Als Rösler noch Jung-Mediziner war, sei er bei Operationen nicht der beste, aber immer der lustigste gewesen, erzählt er gern. Kranke Kinder hat er mit seiner Bauchredner-Puppe Willi aufgemuntert. Auch in schweren Zeiten den Humor nicht zu verlieren, gehört zu seinem Überlebensrezept.

Rösler hat ein Gespür für Stimmungen. Und deshalb hat er am Samstag auf dem Parteitag in Frankfurt eine Rede gehalten, die sich sehr stark an die eigenen Leute richtete. An vielen Stellen streichelte er die Seele der Delegierten. Er sei stolz auf seine Partei, schmeichelte Rösler den Verzagten, und sie könnten es trotz aller Widrigkeiten, in denen die FDP seit vielen Monaten steckt, auch sein. "Jetzt erst recht", lautete der trotzige Schlusssatz seiner 50-minütigen, wie immer frei vorgetragenen Rede.

Die Delegierten ihrerseits waren entschlossen, sich hinter ihren Vorsitzenden zu scharen. Viele sind angesichts der Halbjahresbilanz der neuen jungen Führung enttäuscht. Doch tapfer spendeten sie ihrem Vorsitzenden Szenenapplaus, am Schluss waren es fast vier Minuten Beifall. Auch in der anschließenden Debatte fiel kein böses Wort gegen den Vorsitzenden im Besonderen und kaum eines gegen die Führung im Allgemeinen. Die Basis weiß, dass sich die Partei eine neue Personaldiskussion nicht leisten kann. So wurde die Reaktion des Parteitags auf die Rede des Vorsitzenden zu einer disziplinierten Demonstration der Geschlossenheit.

Rösler ist ein Mann der leisen Töne. Wenn er etwas wirklich Wichtiges sagt, senkt er die Stimme, manchmal bis zum Flüstern, sodass die Botschaft auf der Strecke bleibt. Wie man Delegierte von den Stühlen reißt, zeigte am Nachmittag der im Mai abgehalfterte ehemalige Vorsitzende. In kürzester Zeit brachte der Nur-noch-Außenminister Guido Westerwelle mit einem fulminant vorgetragenen Plädoyer für die Euro-Rettung und für Europa als Ganzes den Saal zum Kochen. Jubelrufe, Pfiffe und am Schluss Standing Ovations - dafür reichten Westerwelle gerade mal sieben Minuten. Ein Schelm, der glaubt, es sei dem Ex-Vorsitzenden nicht nur um Europa gegangen, sondern er habe es auch seinem Nachfolger noch mal zeigen wollen.

Rösler selbst hat mit markigen Worten im Vorfeld die Erwartungen an seine Parteitagsrede hoch geschraubt. Die FDP wollte er als unverzichtbare Kraft positionieren. Doch neue Ansätze ist Rösler schuldig geblieben. Er beschrieb die bekannten Positionen zum Euro, zum Mindestlohn und zur Sozialen Marktwirtschaft. "Man kann ihm nicht böse sein", lautete das Fazit eines Delegierten. Ein überzeugter Parteigänger klingt anders. Und wer sich selbst nichts zutraut, kann andere schon gar nicht überzeugen.