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Nicola Beer:Hinfallen. Aufstehen. Krone richten. Weitermachen.

Nicola Beer auf dem FDP-Bundesparteitag 2019 in Berlin

Nicola Beer beim FDP-Bundesparteitag Ende April.

(Foto: dpa)
  • Nicola Beer wurde bei der Wahl zur stellvertretenden Parteichefin der Liberalen mit einem Wahlergebnis von 58,5 Prozent regelrecht abgestraft.
  • Die Kandidatur für das Vize-Amt wurde in der Partei vor allem als egoistischer Kampf von Beer wahrgenommen.
  • Tatsächlich aber gibt es inzwischen in der Partei mehrere Versionen, wie es zu dieser Entwicklung kam - und dass dabei auch der Parteichef eine Rolle gespielt haben dürfte

Das Gebäude hinter der früheren Handwerkskammer von Bielefeld ist gar nicht schlecht, um neu anzufangen. Riesige Fenster und lichtdurchflutete Großraumetagen, dazu rustikale Holztische und moderne Bürostühle, schwarze Mehrfach-Steckdosen, die von der Decke baumeln; außerdem mächtige Kühlschränke und Espresso-Maschinen, die schnellen Zugang zu Essen und Koffein sicherstellen. Viel Platz und hippes Flair, um aus jungen Leuten Digital-Unternehmer zu machen. Alle lächeln, alles easy.

Founders Foundation heißt der Ort, an dem auch an diesem Donnerstagmorgen mehrere Dutzend Frauen und Männer um die dreißig in Jeans und T-Shirts am Projekt Ich-bau-mir-mein-Start-up sitzen. Ein örtlicher Mäzen hat das Gebäude gestellt; die Mohn-Familie von Bertelsmann hat gut 15 Millionen Euro Startkapital dazugegeben. Und Sebastian Borek, der Geschäftsführer, nennt das alles bei seiner Rundtour für die FDP-Spitzenkandidatin Nicola Beer in bestem neudeutsch ein "Start Up Ecosystem", das man hier entworfen habe.

Borek redet gerne und sehr geschmeidig über seine Initiative. Er will ja auch eine große Brücke schlagen. In Bielefeld soll er alte Industriebetriebe und neue Digitalwirtschaft, also sehr unterschiedliche Kulturen zusammenbringen. Er erzählt nicht nur von den neuesten Ideen, die hier blühen sollen. Immer wieder spricht er vor allem von einem Grundprinzip, das sich in Deutschland endlich durchsetzen müsse: Das Prinzip, dass man auch mal scheitern dürfe.

Sich mal ganz und gar unter seinesgleichen zu fühlen

Start-ups begreife er nicht als fertige Unternehmen, sondern als Experimente. Und die müssten die Freiheit haben, auch was in den Sand zu setzen. "Das hier alles geht nicht, wenn ein gescheitertes Start-up gleichgesetzt wird mit einer grundsätzlichen Unfähigkeit, ein Unternehmen zu gründen", so Borek. Gerade gescheiterte Start-ups seien eine Stütze für alle anderen, weil man aus Fehlern viel lernen könne.

Nun ist Nicola Beer kein Start-up, und komplett gescheitert ist sie auch nicht. Trotzdem dürfte ihr Boreks Botschaft guttun. Wenige Tage nach einem FDP-Parteitag, der ausgerechnet seine EU-Spitzenkandidatin mit einem desaströsen Wahlergebnis in die heiße Phase des Wahlkampfs schickte, merkt man der nach außen sonst so gepanzerten Ex-Generalsekretärin an, dass die Ereignisse an ihr nagen. Da kann es sehr helfen, sich mal ganz und gar unter seinesgleichen zu fühlen.

Beer lobt in Bielefeld denn auch gleich den "Spirit", der hier herrsche, wo man Kräfte "poole" und sich mit anderen "matchen" könne. Dazu nickt sie zustimmend und begeistert, als Borek gegen die fehlende Fehlerkultur wettert. Und die beiden verstehen sich noch besser, als sie gemeinsam von der Start-up-Szene in Tel Aviv schwärmen. Hier in Deutschland sei man ja noch die große Ausnahme. Aber dort, in Tel Aviv, da seien "alle so wie wir", sagt Beer und freut sich. Aus diesem Grund entfliehe sie immer wieder dorthin, wenn es ihr in Deutschland geistig zu eng werde.

Man kann bei diesen Worten durchaus spüren, wie weh ihr die miserablen 58 Prozent getan haben, mit denen sie am letzten April-Wochenende in Berlin als neu gewählte stellvertretende Liberalen-Parteivorsitzende heimgeschickt wurde. Fehlte nur noch, dass der Saal ihr hinterhergerufen hätte: Und jetzt viel Spaß noch im Wahlkampf!

Selten ist eine Spitzenkandidatin vor dem Finale eines wichtigen Wahltags von den eigenen Truppen derart schlecht behandelt worden. Beer sagt in Bielefeld, Politik sei nun mal kein Geschäft, wo einem die Menschen "aus Dankbarkeit auf die Schulter klopfen". Deshalb gelte für sie halt jetzt auch: "Schütteln und volle Kraft voraus."

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