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FDP:Nicht ohne Risiko

Christian Lindner versucht sich Luft zu verschaffen.

Von Daniel Brössler

Christian Lindner ist es anzurechnen, dass er seit einiger Zeit nicht mehr versucht, die Lage seiner Partei schönzureden. Dafür ist sie zu ernst - und das nicht erst seit Beginn der Corona-Krise, die angeblich die Nachfrage nach liberalen und freiheitlichen Ideen drastisch hat schrumpfen lassen. Viel ist zusammengekommen vom Nein zu Jamaika bis zum verhängnisvollen Ja des Thomas Kemmerich bei der Wahl zum Thüringer Ministerpräsidenten mit Stimmen der AfD.

Mit der Entscheidung, seine Generalsekretärin Linda Teuteberg durch den rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Volker Wissing zu ersetzen, versucht Lindner sich nun in doppelter Weise Luft zu verschaffen. Teuteberg schickt er den Vorwurf hinterher, ihm nicht genügend geholfen zu haben. Wissing wiederum soll Lindners Botschaft verkörpern, einen Weg aus dem Umfragetief gefunden zu haben.

Lindner rechnet damit, dass aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie die traditionellen Themen der FDP wieder in den Vordergrund rücken. Hatten die Liberalen zuletzt viel Mühe darauf verwandt, in der Klimapolitik mitzureden, will Lindner die FDP nun offenkundig zurückführen zu ihrem Markenkern als Wirtschafts-, aber eben auch Steuersenkungspartei. Das ist nicht ohne Risiko. Genau diese Partei war 2013 aus dem Bundestag geflogen.

© SZ vom 18.08.2020

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