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FDP nach Wahl-Debakel:Röslers Unschuld

Selbst die Familienpartei schneidet bei der Wahl im Saarland besser ab als die FDP. Aber nein, damit hat er nichts, aber auch gar nichts zu tun - dies ist das Bild, das Parteichef Rösler am Tag nach der 1,2 Prozent-Katastrophe vermitteln will. Wahrscheinlich hat er sogar Recht damit. Doch das ist zugleich sein größtes Problem.

Thorsten Denkler, Berlin

Es ist Montag, ein Uhr mittags im Thomas-Dehler-Haus, der FDP-Parteizentrale in Berlin. Parteichef Philipp Rösler erklärt die Wahl im Saarland. Es ist das vierte Mal seit seinem Amtsantritt im vergangenen Mai, dass er Wahlergebnisse zu kommentieren hat. Und das vierte Mal, dass er den vom Wähler gewollten Rausschmiss der Liberalen aus dem jeweiligen Landesparlament erklären muss. Erst in Bremen, dann in Mecklenburg-Vorpommern, zuletzt in Berlin, jetzt im Saarland.

Kurz nach seiner Wahl zum Parteichef, auf dem Rostocker Parteitag im Mai 2011, hat Rösler angekündigt, ab jetzt werde er für jede Wahl in der Verantwortung stehen. Das sei sein Job als Vorsitzender. Wegducken ginge da nicht. Bis dahin hatte die Partei noch unter Guido Westerwelle die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz versemmelt.

Drei Mal erklärte Rösler danach, dass seit seinem Amtsantritt zu wenig Zeit vergangenen sei, um die FDP noch zu retten. Die 1,8 Prozent in Berlin, das war der Tiefpunkt des Wahljahres 2011. Schlimmer geht es nimmer, dachten einige. Aber da wussten sie noch nicht, dass es auch im Saarland Wahlen geben würde. Und da steht seit Sonntagabend: 1,2 Prozent.

Schuld haben die anderen

Der Erfolg von Parteichefs wird an Wahlerfolgen gemessen. Vier Mal hat Rösler jetzt Wahlen verloren. Im Saarland sogar mit dem schlechtesten Ergebnis, mit dem die Wähler die FDP je in einem West-Bundesland abgestraft haben. Sogar die Familienpartei hat besser abgeschnitten. Manche witzeln, dass nicht mal alle Familienangehörigen der knapp 2000 FDP-Mitglieder an der Saar die Liberalen gewählt haben können.

Und Rösler? Der will dieses Ergebnis auf keinen Fall auf seine Kappe nehmen. Er spricht, von der "enorm schwierigen Vorgeschichte" der Saar-FDP. Spitzenkandidat Oliver Luksic habe zwar ein völlig neues Team zusammengestellt. Aber um das bekannt zu machen, habe die Zeit gefehlt. Zusammengefasst: Schuld haben die anderen. Er nicht.

Das Dumme speziell für Rösler ist: Er könnte damit sogar Recht haben. Die Wahlkämpfe passieren ohne sein Zutun. Im Moment wird er nicht gebraucht in der Partei. In NRW ließ die FDP die rot-grüne Minderheitsregierung ohne Absprache mit Berlin platzen. Und auch die Neuaufstellung mit Christian Lindner an der Spitze wurde an ihm vorbei geregelt. Sein Rat war offenbar nicht gefragt.

Mit Lindner liegt er zudem strategisch und inhaltlich über Kreuz. Im Wahlkampf wird er nur auftauchen, wenn Lindner es will.

"Rösler kann es nicht"

In Schleswig-Hostein wiederum macht Wolfgang Kubicki ohnehin nur noch das, was er für richtig hält. Die Bundesspitze inklusive Rösler kann ihm gestohlen bleiben - auch wenn sie gerade gemeinsam am Timmendorfer Strand ("Unterhaltung am Meer") aufgetreten sind. Für den Chef der Landtagsliberalen ist Rösler vieles, nur keine Führungspersönlichkeit. Wie abschätzig er Röslers "Wachstum"-Plakate zur Internationalen Grünen Woche kürzlich bewertete, war mehr als nur ein Affront.

Sollten im Westen und im Norden Lindner und Kubicki gewinnen, also den Wiedereinzug in die Parlamente schaffen, dann wäre der Letzte, der sich mit diesen Erfolgen rühmen dürfte Philipp Rösler. Schon das wird ihn schwächen.

Wenn die Wahlen aber verlorengehen, dann werden alle auf ihn zeigen. Die Personaldiskussionen laufen in den kleinen Kreisen jetzt schon heiß. Manche sagen: "Rösler kann es nicht." Auch wenn sie eigentlich keine neue Debatte um den Parteivorsitz wollen, kommen wird sie. So oder so.

© Süddeutsche.de/segi/lala

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