FDP-Avancen in Richtung SPD Wo Kompromisse schwierig wären

Soweit die Gemeinsamkeiten. Krachen dürfte es dagegen ...

[] ... in der Umwelt- und Energiepolitik: Vielen Liberalen geht der Abschied aus der Atomenergie viel zu schnell. Es war der damalige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, der das Atommoratorium der Bundesregierung im Mai als voreiliges Wahlkampfmanöver darstellte - heute ist Brüderle FDP-Fraktionschef. Generell hält die FDP die Interessen der Wirtschaft häufig für vorrangig, wenn es um Energie geht - angesichts ihrer Wählerklientel kann sie kaum anders.

Die SPD ist stärker ökologisch orientiert, allerdings plädieren auch Sozialdemokraten für die Berücksichtigung der Unternehmen - um Arbeitsplätze zu sichern. Zuletzt ging etwa der baden-württembergische Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid auf Distanz zu seinem grünen Koalitionspartner, weil Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Autoindustrie im Ländle kritisiert hatte.

[] ... bei der Personalauswahl: Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gilt als Galionsfigur der Linken in der FDP, ihre Positionen dürfen nicht mit der liberalen Mehrheitsmeinung gleichgesetzt werden. Zwar hat sich durch den Abgang Guido Westerwelles der Einfluss jener Freidemokraten vergrößert, die eine bedingungslose Partnerschaft mit der Union kritisch betrachten. Aber offen für die SPD sind sie deswegen noch lange nicht.

Generalsekretär Christian Lindner, der sich für eine Öffnung der Partei starkmacht, hält sich gemäß seines Jobs aber an die Richtung des Parteivorsitzenden. Der heißt Philipp Rösler und ist bislang nicht durch einen SPD-freundlichen Kurs aufgefallen. Jedoch gilt auch der neue Gesundheitsminister Daniel Bahr als Freund der Öffnung zu den Sozialdemokraten - und Fraktionschef Rainer Brüderle kennt die Zusammenarbeit mit den Roten aus seiner Zeit als FDP-Landeschef von Rheinland-Pfalz.

In der SPD gelten vor allem die Mitglieder des einflussreichen Seeheimer Kreises als FDP-kompatibel - ihr Sprecher Johannes Kahrs sagte jedoch, die Liberalen müssten sich "radikal verändern", um als Koalitionspartner in Frage zu kommen.

Und dann gibt es noch die Politikfelder, bei denen die Parteien so weit auseinanderliegen, dass sich eine von ihnen förmlich verrenken müsste, um einen Kompromiss zu finden.