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FBI:Vertraut mit Moskau

Der US-Geheimdienst FBI soll gegen einen Wahlkampf-Berater Präsident Trumps ermittelt haben, der enge Kontakte zu Russland pflegte. Der weist Vorwürfe zurück.

Die US-Bundespolizei FBI hat einem Zeitungsbericht zufolge einen Wahlkampfberater des heutigen Präsidenten Donald Trump wegen des Verdachts, Agent für Moskau zu sein, überwacht. Das FBI habe mit ausdrücklicher Genehmigung eines Sondergerichts die Kommunikation des ehemaligen Finanzinvestors Carter Page abgefangen, berichtete die Washington Post am Dienstag unter Berufung auf Ermittler- und Regierungskreise. In dem Gerichtsantrag erklärte das FBI, es gebe einen hinreichenden Verdacht, dass Page für Moskau gearbeitet habe.

Nach Überzeugung des FBI hatte sich Moskau in den US-Präsidentschaftswahlkampf eingeschaltet, um Trump zum Sieg zu verhelfen. Der Kreml soll demnach hinter Hacker-Angriffen auf die Parteizentrale der Demokraten sowie das Team von Trumps russlandkritischer Rivalin Hillary Clinton stehen, durch die für die Demokratin unangenehme Interna ans Licht gekommen waren. Dabei untersucht das FBI nach Angaben seines Chefs auch mögliche Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung.

Laut Washington Post wäre die gerichtliche Anordnung der erste Beweis dafür, dass die Bundespolizei Mitglieder des Trump-Teams direkt überwacht hat. Das FBI wollte sich zu dem Bericht zunächst nicht äußern.

Trump hatte Page im März 2016 zu einem seiner außenpolitischen Berater ernannt, im Juli traf dieser sich gemeinsam mit anderen Teammitgliedern während des Parteitags der Republikaner mit dem russischen Botschafter Sergej Kisljak. Für Schlagzeilen sorgten auch seine Besuche in Moskau, die nach seinen Angaben privater Natur waren. Bei einem Vortrag in Moskau übte er laut Medienberichten harte Kritik an der westlichen Politik gegenüber Russland.

Page arbeitete von 2004 bis 2007 für die Investmentbank Merrill Lynch in Moskau. Damals knüpfte er Beziehungen zum russischen Energieriesen Gazprom. Sein Name taucht auch in einem Dossier des britischen Ex-Geheimagenten Christopher Steele über Verbindungen des Trump-Teams mit Russland auf, das zu Jahresbeginn für Wirbel gesorgt hatte. Der Washington Post sagte Page, er habe "nichts zu verbergen". Doch bestätige ihr Bericht seinen "Verdacht einer ungerechtfertigten und politisch motivierten Überwachung" durch die damalige US-Regierung.

© SZ vom 13.04.2017 / AFP

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