Fatwa gegen iranischen Sänger Shahin Najafi:E-Mail aus Teheran

Lesezeit: 3 min

100.000 Dollar Kopfgeld: Gegen den aus Iran stammenden Kölner Musiker Shahin Najafi haben schiitische Ayatollahs eine Fatwa verkündet - per E-Mail. Auch aus dem Umfeld des Münchner Konsulats habe man die Mail weitergeleitet, heißt es. Steckt also das Regime dahinter?

Klaus Ott

100.000 Dollar beträgt das Kopfgeld, das via Internet auf Shahin Najafi ausgesetzt ist. Von religiösen Fundamentalisten, die den iranischen Revolutionsgarden nahestehen sollen. Der aus Iran stammende Sänger, der in Deutschland lebt, soll in einem seiner Songs einen islamischen Heiligen beleidigt haben. Schiitische Ayatollahs haben deshalb eine Fatwa gegen ihn verkündet, eine Art Urteil also, das den Sänger für vogelfrei erklärt. Najafi steht unter Polizeischutz. Er hält sich irgendwo fernab von Köln auf, seinem eigentlichen Wohnort. Er versteckt sich. Etwas anderes bleibt ihm nicht übrig.

Im Frühjahr erhielten in Deutschland ansässige Iraner eine E-Mail, die über mehrere Stationen aus Teheran gekommen sein soll. Mit der elektronischen Post wurde die Fatwa verbreitet und der Sänger zum "Verdammten" erklärt. Absender war nach Angaben des bayerischen Justizministeriums ein früherer Mitarbeiter des iranischen Generalkonsulats in München, der inzwischen in seine Heimat zurückgekehrt sei. Das habe die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt. Dieser Mann habe für die E-Mail-Aktion "seine Kenntnisse als Ex-Mitarbeiter des Konsulats genutzt", so das Ministerium.

Sollten Iraner, die mit dem Konsulat in München zu tun haben und deshalb dort erfasst sind, so auf den Kampf gegen Andersdenkende und Abweichler eingeschworen werden? Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) hat die E-Mail-Aktion nach Angaben ihres Ressorts jetzt bei einem Treffen mit dem iranischen Generalkonsul in München, Khalil Khalili Amiri, angesprochen. Merks Standpunkt ist eindeutig: "Es geht nicht an, dass Mitarbeiter einer diplomatischen Vertretung ihre in dieser Eigenschaft erlangten Kenntnisse nutzen, um Fatwas zu verbreiten, die Menschen hier in Deutschland in Gefahr bringen", sagte die Ministerin der Süddeutschen Zeitung. "Das können wir so nicht akzeptieren."

Bereits im Frühjahr, als die Staatsanwaltschaft zu ermitteln begann, hatte Merk die Verbreitung der Fatwa in Deutschland per E-Mail als "unerträglich" bezeichnet. Man werde es nicht dulden, dass hierzulande "islamisches Recht exekutiert wird". Dem müsse man in einem freiheitlichen Rechtsstaat Einhalt gebieten. "Ich dulde keine Form der Paralleljustiz in Deutschland." Die iranische Botschaft in Berlin dementiert heftigst, dass eigene Dienststellen irgendetwas mit dieser Mail-Aktion zu tun haben könnten. Die Behauptung, ein aktives oder ehemaliges Mitglied des Münchner Konsulats habe solche E-Mails verschickt, "entbehrt jeder Wahrheit". Das seien "verfälschte E-Mails".

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