Fast zehn Jahre Haft für Nino K.:Nino K. wollte ein Zeichen setzen

In Panik vor seiner Entdeckung warf K. weitere Sprengsätze weg. Schließlich führten die Ermittler DNA-Spuren auf den benutzten Sprengsätzen zum Täter. Am 8. Dezember 2016 wurde er festgenommen. Als der Richter bei der Haftprüfung darauf hinwies, K. drohe eine Haftstrafe, soll der entgegnet haben: Wenn er sich nur "schwarz anmale", werde er schon Bewährung bekommen.

Vor Gericht äußerte sich Nino K. selten zu den Vorwürfen, sagte, er habe mit dem Anschlag ein Zeichen setzen wollen. Vom Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit distanzierte er sich. Während einer Zeugenaussage bedrohte er einen Polizisten, der als Zeuge aussagte. "Ich mach' dich fertig mein Freund", soll Nino K. zu dem Beamten gesagt haben und: "Wir sehen uns wieder!" Am letzten Prozesstag zeigte der 31-Jährige Reue über seine Tat: "Ich habe einen Riesenfehler gemacht, den ich zutiefst bereue, sagte er. "Es tut mir auch leid für die Familie." Er habe "nie im Entferntesten" daran gedacht, jemand töten zu wollen. Das Gericht wertete das als nicht wirklich ernst gemeinte Formalie.

Ein Lehrstück über die Überforderung der Polizei

Der Prozess legte offen, wie sich ein Normalbürger innerhalb kürzester radikalisierte. Auf dem Computer von Nino K. fanden die Ermittler Texte und Bilder, die aus Sicht des Gerichts die politisch rechte Haltung des Angeklagten beweisen. Darunter einen Appell an "nichtdeutsche Freunde". Darin heißt es: "Wenn es einen Anschlag gibt, dann kann keiner für eure Sicherheit garantieren." In einem Brief beschwerte sich K. auch über den Rundfunkbeitrag. Man solle sich ein Geschichtsbuch besorgen und nachlesen, "was mit Kriegsverbrechern passiert und mit jenen, die sie unterstützten." Richter Herbert Pröls sieht darin eine Drohung, die sich gegen Medienanstalten richtet.

Der Prozess war auch ein Lehrstück über die Überforderung der sächsischen Polizei. Während des Verfahrens wurden zahlreiche Ermittlungspannen offenbar: Schaulustige und Journalisten konnten am Tag nach der Tat über das Gelände der Moschee laufen. Spuren, die etwa die Explosion einer Rohrbombe hätten nachweisen können, wurden vernichtet. Die Polizei ging zunächst von einem Brandsatz aus, obwohl sich am Tatort zwei weitere Rohrbomben befanden.

Einen Metallsplitter und somit den Hinweis auf eine Explosion fanden die Ermittler erst Monate später in einer Tüte mit Abfall. Der Fund wurde weder dokumentiert, noch auf Spuren untersucht. Ein Brandgutachter polierte den Splitter blank. Die Testsprengung der zwei am Tatort gefundenen Rohrbomben wurde nicht ausreichend dokumentiert. Ein Sprengsachverständiger des Bundeskriminalamt musste den Versuch wiederholen, was zur Verzögerung der Gerichtsverhandlung führte.

Dann krachte es

Auch die Befragung von Zeugen war mangelhaft. Das Gericht verdonnerte den Hauptermittler nachträglich, einen Rentner vernehmen zu lassen, der zur Tatzeit in einem Nebengebäude der Moschee wohnte. Direkt nach dem Anschlag war niemand auf die Idee gekommen, mit dem Mann zu sprechen, obwohl er als erster am Tatort war.

Der Rentner berichtete dem Ermittler, er habe ins Bett gehen wollen. In seinem Zimmer brannte noch Licht, die Gardine sei noch nicht geschlossen gewesen. Dem Ermittler zufolge hätte Nino K. den Lichtschein sehen müssen. Ein Lichtschein, der K. nicht davon abhielt, die Bombe vor der Eingangstür zu platzieren. Er verließ den Tatort. Als die Sprengsätze nicht zündeten, kehrte er noch einmal zurück. Eine halbe Stunde soll er an der Konstruktion herum gedoktert haben. Dann krachte es.

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