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Betreuungsgeld in Skandinavien:In Deutschland immer beliebter

In vielen Kommunen wurde es abgeschafft: etwa in Södertalje bei Stockholm, wo die rot-grüne Mehrheit bilanzierte, das Betreuungsgeld benachteilige Kinder bei den Lernchancen, sei eine Frauen- und Armutsfalle. In Norwegen wurde die von Anfang an umstrittene Leistung Schritt für Schritt gekürzt, für Kinder im dritten Lebensjahr wird sie gar nicht mehr ausgezahlt.

In Deutschland hingegen wird das Betreuungsgeld immer beliebter: Im vierten Quartal des Vorjahres bezogen bundesweit 386 483 Eltern die 150-Euro-Prämie. Im zweiten Quartal waren es erst 224 400. Bayerns Familienministerin Emilia Müller (CSU) spricht deshalb von einem "Erfolgsmodell".

Wesentlich mehr Westdeutsche beantragen die Prämie

In Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern leben die meisten Familien, die Betreuungsgeld beantragt haben. Bayern ist mit 85 682 Kindern Spitzenreiter. Hier gibt es einen Spezialservice: Allen Familien, die Elterngeld beziehen, wird das Antragsformular automatisch vom Amt zugesandt, freundlicherweise schon ausgefüllt.

Weitere Fakten aus Deutschland: 94,7 Prozent der Bezieher sind Mütter. Die meisten männlichen Bezieher lebten in Bremen und Berlin (je 9,1), in Bayern waren es mit 3,2 Prozent am wenigsten. Wesentlich mehr Eltern aus Westdeutschland als aus den neuen Bundesländern beantragen die Prämie: Im Osten waren es insgesamt nur etwa 27 000. Dort ist die Bezugsdauer zudem mit durchschnittlich 13,7 Monaten wesentlich kürzer als in den westlichen Bundesländern mit 19,6 Monaten. 15 Prozent der Bezieher von Betreuungsgeld besaßen nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die Auseinandersetzung um die korrekte Kinderbetreuung ist gesellschaftspolitisch hoch aufgeladen. So war die Aufregung groß, als das Deutsche Jugendinstitut mit der Uni Dortmund im Juli 2014 in einer Ein-Jahres-Bilanz anfangs einen Rechenfehler veröffentlichte: Statt 54 Prozent waren es tatsächlich 22,6 Prozent der Hauptschulabsolventen und 31,2 Prozent der Befragten ohne Schulabschluss, die die monatliche Überweisung als Hauptgrund dafür nannten, ihre Kinder nicht in eine Krippe zu geben. Fakt bleibt jedoch: Je höher ihre Bildung, desto seltener beantragen Eltern Betreuungsgeld.

In Thüringen wird seit 2006 ein Erziehungsgeld ausgezahlt, unabhängig vom Einkommen. Darum ist es vergleichbar mit dem Betreuungsgeld. Eine Auswertung des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) kam schon 2012 zum Ergebnis, dass dort finanzielle Anreize für Eltern, die ihre Kinder zu Hause lassen, schlecht für die Erwerbsquote von Frauen sind und nachteilig für die frühkindliche Entwicklung sein können. Nicht anders also als in Skandinavien.

© SZ vom 15.04.2015/fued
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