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Fall Timoschenko:Hollande sagt Ukraine-Besuch zur EM ab

"Ich liebe Fußball, aber das ist ein Problem": Frankreichs Präsident Hollande will nicht zur Europameisterschaft in die Ukraine reisen, solange die kranke Oppositionsführerin Timoschenko im Gefängnis sitzt. Derweil behauptet Polens Premier Tusk, "fast alle" Staats- und Regierungschefs der EU kämen zur EM.

Der neue französische Präsident François Hollande wird während der Fußball-Europameisterschaft nicht in die Ukraine reisen. Grund sei der Umgang mit der früheren Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und anderen Oppositionspolitikern, berichten ukrainische Medien. "Ich liebe Fußball, aber was derzeit in der Ukraine passiert, ist ein Problem", sagte Hollande auf einer Pressekonferenz am Rande des EU-Gipfels in Brüssel. Zuvor hatten bereits die EU-Kommission und Präsident José Manuel Barroso sowie zahlreiche deutsche Politiker ihren Besuch in der Ukraine aus politischen Gründen abgesagt.

Keine Reise nach Kiew: Frankreichs Staatschef Hollande

Keine Reise nach Kiew: Frankreichs Staatschef Hollande

(Foto: dpa)

Merkel hält sich bisher offen, ob sie zu einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft in die Ukraine reist. Dort werden alle drei Gruppenspiele des deutschen Teams ausgetragen. Möglich wäre, dass Merkel bei einem Weiterkommen der Nationalmannschaft erst im späteren Verlauf des Turniers ein Spiel in Polen besucht. Die Ukraine steht derzeit wegen des Umgangs der Behörden mit der inhaftierten Oppositionsführerin Timoschenko international in der Kritik. Der Fall sorgte im Vorfeld der EM für eine heftige Debatte über einen politischen Boykott.

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hat auf dem Brüsseler EU-Gipfel nach eigenen Angaben "fast alle" fußballinteressierten Staats- und Regierungschefs überzeugen können, zur Europameisterschaft nach Polen und in die Ukraine zu reisen. "Ich habe den Eindruck, dass alle den Vorschlag begrüßt haben, zu den Spielen in die Ukraine und nach Polen zu kommen", sagte er am Mittwochabend vor Journalisten. Die Staats- und Regierungschefs seien von einer Erklärung Timoschenkos überzeugt gewesen, die darin einen politischen Boykott der Spiele in ihrer Heimat abgelehnt hatte.

Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch schloss hingegen in der Kiewer Zeitung Segodnja die demonstrative Abwesenheit einiger westlicher Politiker nicht aus, die "ihr Verhältnis zum Problem Timoschenko ausdrücken wollen". Dennoch rechnet der Staatchef, der als stärkster innenpolitischer Rivale der Oppositionsführerin gilt, mit einer erfolgreichen Fußball-EM: "Die Fans werden kommen", sagte der dem Blatt. Die Diskussionen über einen Boykott hätten "doch ausschließlich einen politischen Hintergrund".