Fall Skripal Großbritannien will offenbar Auslieferung zweier Russen beantragen

Britische Polizisten bei der Spurensuche in Salisbury.

(Foto: REUTERS)
  • Dem britischen Guardian zufolge ist die Regierung in London kurz davor, ein Auslieferungsgesuch an Russland zu stellen.
  • Ermittler haben demnach zwei Verdächtige identifiziert, die den Ex-Spion und seine Tochter vergiftet haben sollen. Eine Frau aus der Gegend um Salisbury kam später mit dem Giftstoff Nowitschok in Kontakt und starb im Krankenhaus.
  • Die ohnehin stark angespannten Beziehungen zwischen London und Moskau stehen vor einer neuen Belastungsprobe. Das Auslieferungsgesuch dürfte kaum Chancen auf Erfolg haben.

Die britische Regierung will im Fall Skripal einem Medienbericht zufolge in Moskau die Auslieferung von zwei Russen in Moskau beantragen. Das berichtet der Guardian unter Berufung auf Regierungs- und Sicherheitskreise. Die beiden werden demnach verdächtigt, den Anschlag auf den ehemalige russischen Doppelagenten Sergej Skripal (67) und seine Tochter Julia (33) ausgeführt zu haben.

Das Dokument könne jederzeit an die russischen Behörden übergeben werden, heißt es in dem Bericht. Den Ermittlern sei es gelungen, die Bewegungen zweier russischer Verdächtiger von deren Einreise bis zum Verlassen Großbritanniens nachzuvollziehen, berichtet die Zeitung weiter.

Britische Regierungsstellen und die Generalstaatsanwaltschaft in London wollten den Bericht auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht kommentieren. Die Skripals waren Anfang März bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden. Sie waren mit dem Kampfstoff Nowitschok vergiftet worden und entkamen nur knapp dem Tod.

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Die Partnerin des Mannes war an der Vergiftung gestorben. Die beiden hatten wohl eine Flasche mit dem Kampfstoff aufgesammelt und sich damit vergiftet.

Schwere diplomatische Krise, eine Tote

London bezichtigte Moskau, für den Anschlag verantwortlich zu sein. Nowitschok wurde in der früheren Sowjetunion entwickelt, später experimentierten aber auch andere Länder damit. Der Kreml weist die Vorwürfe zurück; der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus.

Später kamen auch ein britisches Paar aus Amesbury, einem Ort unweit von Salisbury, mit dem Nervengift in Kontakt. Sie hatten ein Fläschchen mit Nowitschok gefunden, das sie für einen Parfümflakon hielten. Die 44-jährige Frau starb am 8. Juli im Krankenhaus. Ihr 45 Jahre alter Partner überlebte. Die Ermittler halten es für wahrscheinlich, dass die beiden Fälle in einem Zusammenhang stehen.

Auch weil die russische Verfassung Auslieferungen von Staatsbürgern an andere Staaten verbietet, hätte ein Auslieferungsbegehren eher symbolische Bedeutung. Allerdings würde es die diplomatischen Spannungen zwischen den Regierungen in London und Moskau wahrscheinlich erneut anheizen

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