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Fall Assange:Südamerikanische Staaten verurteilen britische Drohung

Im Streit um die Auslieferung von Wikileaks-Gründer Julian Assange erhält Ecuador nun auch die Rückendeckung von der Unasur, der Union Südamerikanischer Nationen. Die Organisation verurteilte britische Gedankenspiele, die ecuadorianische Botschaft in London zu stürmen.

Das südamerikanische Staatenbündnis Unasur unterstützt Ecuador im Streit mit Großbritannien im Fall Assange: Die Organisation verurteilte die britische Drohung, die ecuadorianische Botschaft in London zu stürmen.

Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft im zentralen Londoner Stadtteil Knightsbridge (Archivbild von 2012).

Wikileaks-Gründer Julian Assange am Sonntag auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London.

(Foto: AFP)

In einer Abschlusserklärung am Sonntag unterstützten die Außenminister der Organisation allerdings nicht einstimmig die Entscheidung Ecuadors, Assange diplomatisches Asyl zu gewähren. Das Treffen zum Fall Assange am Wochenende in Guayaquil war von Ecuador einberufen worden.

Am Samstag hatten sich die linksgerichteten Alba-Staaten Kuba, Venezuela, Bolivien, Nicaragua und Argentinien mit der Haltung der ecuadorianischen Regierung solidarisiert. Brasilien, Kolumbien, Mexiko und Chile sind unter den lateinamerikanischen Ländern, die in dem Streit bislang keine Position bezogen haben.

In der Erklärung der Unasur hieß es, die Außenminister "verurteilten die Androhung von Gewalt zwischen Staaten" und bekräftigten "das Recht von Staaten, Asyl zu gewähren". Die Parteien wurden aufgefordert "dem Pfad des Dialogs und direkter Verhandlungen" zu folgen, um eine akzeptable Lösung des Streits für alle zu finden. Die Sitzung dauerte nach Angaben des venezolanischen Unasur-Generalsekretärs Ali Rodriguez 20 Minuten.

Der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patino hatte nach der britischen Drohung am Mittwoch, einen Tag vor der Genehmigung von Assanges Asylantrag durch Ecuador, erklärt, das Recht sei auf der Seite seines Landes. Großbritannien erklärte später jedoch, nicht die Absicht zu haben, die Botschaft zu stürmen. Das wäre eine Verletzung des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen aus dem Jahre 1961 gewesen.

Assange spricht von Hexenjagd

Der Australier Assange hält sich seit dem 19. Juni in der ecuadorianischen Botschaft in London auf. Am Sonntag sprach der 41-jährige Australier vom Balkon der Vertretung zu Hunderten von Anhängern, Schaulustigen und Journalisten. Assange bedankte sich für die Unterstützung aus Ecuador und weiteren südamerikanischen Ländern. Er forderte die USA auf, ihre "Hexenjagd" auf Internet-Aktivisten zu stoppen und den Wikileaks-Informanten Bradley Manning und andere freizulassen und zu entschädigen.

Mit seinem Aufenthalt in dem Botschaftsgebäude versucht Assange sich einer Auslieferung nach Schweden zu entziehen. Dort soll er zu Vorwürfen sexueller Übergriffe befragt werden, fürchtet allerdings seine Auslieferung an die USA, wo ihm wegen Geheimnisverrats im schlimmsten Fall die Todesstrafe drohen würde.

Assange zog 2010 den Zorn der US-Regierung auf sich, als auf seiner Enthüllungsplattform Hunderttausende geheime Dokumente über den Krieg im Irak und in Afghanistan sowie vertrauliche Diplomatendepeschen veröffentlicht wurden.