Süddeutsche Zeitung

Faktencheck:Wer im TV-Duell wann gelogen hat

War Trump wirklich gegen den Krieg im Irak? Hat Clinton im Kampf gegen den IS versagt? Die kontroversesten Themen des TV-Duells im Faktencheck.

Clinton: "Donald hat der Invasion im Irak zugestimmt." - Trump: "Falsch."

Dass er den Irakkrieg abgelehnt hat, das wiederholte Trump in den vergangenen Wochen und Monaten ständig. Es ist gleichzeitig ein Satz, den er nie beweisen konnte. Zwar sagte Trump, dass er sich in einem Artikel des Magazins Esquire gegen den Krieg ausgesprochen habe - und tatsächlich sagte er in diesem Interview unter anderem: "Schau dir den Krieg im Irak an und das Chaos, in dem wir stecken." Und: "Was war denn der Sinn dieser ganzen Sache? Hunderte und Aberhunderte junge Menschen sind gestorben. Und was ist mit den Menschen, die ohne Arme und Beine zurückkommen? Von der anderen Seite ganz zu schweigen." Aber dieses Interview wurde am 8. September 2004 veröffentlicht und damit anderthalb Jahre nach Kriegsbeginn.

In einer von der Washington Post zusammengestellten Chronik findet sich ebenfalls kein Anzeichen dafür, dass Trump den Krieg ablehnte. Auch Politifact konnte keine Aussage von Trump finden, die das bestätigen würde.

Am 11. September 2002, also vor dem Krieg, begrüßte er im Interview mit Howard Stern eine Irak-Invasion. Auf die Frage, ob Trump den Einmarsch in das Land unterstütze, antwortete Trump: "Ja, schon."

Am 21. März, also einen Tag nach Kriegsbeginn, fand Trump weiterhin positive Worte. "Vom militärischen Standpunkt her gesehen sieht es aus wie ein fantastischer Sieg."

Am 25. März 2003 sagte er einem Reporter der Washington Post während einer Party: "Falls sie weiterhin so kämpfen, wie sie das heute getan haben, werden sie ein echtes Problem haben." Und: "Dieser Krieg ist ein Chaos." Es sind seine eher kritischen Worte, die er äußerte. Auch hier: Nach Kriegsbeginn.

Während der Debatte sagt Trump nun, dass er wiederholt mit dem Journalisten Sean Hannity gesprochen hätte. Doch das ändert nichts daran, dass es von Trump lediglich eine Aussage gibt, in der er vor Kriegsbeginn über den Irak-Krieg spricht. Und hier befürwortet er den Krieg.

Hillary Clinton hat mit ihrer Aussage also recht.

Trump: Clinton hat "IS ihr ganzes Leben bekämpft"

Der Republikaner unterstellt Clinton, sie habe im Kampf gegen die Terrormiliz nichts erreicht. Seine Aussage ist auf den ersten Blick leicht zu widerlegen. Der Islamische Staat (IS) existiert erst seit ungefähr 2013/14. Doch die sunnitische Miliz ist im Machtvakuum im Irak entstanden, nachdem das Regime von Saddam Hussein durch die US-Armee 2003 gestürzt worden war. Außenministerin unter Barack Obama wurde Clinton im Jahr 2009. Sie blieb es bis Anfang 2013. Der IS wurde also erst dann zu einer signifikanten Kraft, als Clinton nicht mehr Außenministerin war.

Für Clinton, das hat sie während der Debatte noch einmal unterstrichen, hat der Kampf gegen den IS im Falle ihres Einzugs ins Weiße Haus höchste Priorität. Sie würde alles daran setzen, die Führer der Extremistengruppe auszuschalten, sagte Clinton. Auch das Vorgehen gegen die IS-Online-Propaganda sollten die USA forcieren.

Mit Blick auf Trumps sogenannten "Geheimplan" wiederholte Clinton eine wohlbekannte Zeile aus ihrem Wahlkampf: "Das einzige Geheimnis ist, dass er keinen Plan hat." Weil Trump darauf bestand, dass der Plan geheim zu bleiben hat, konnte er diesen Vorwurf nicht entkräften und wandte sich während der Debatte schnell anderen Themen zu. Zum Beispiel, dass Clinton für das Entstehen und das Wachsen des IS verantwortlich sei. Dass sie es nicht geschafft habe, den IS zu besiegen. Beweise blieb er schuldig.

Clinton: "Donald hat Schwangerschaften als 'Unannehmlichkeiten' bezeichnet"

Hillary Clinton nutzt eine Situation, in der Donald Trump ihr "Stehvermögen" kritisiert, um über den Kandidaten an sich und dessen sexistischen Aussagen zu reden. Trump habe Schwangerschaften als "Unannehmlichkeit" für Arbeitgeber bezeichnet. Trump erwidert, dass Clinton lüge. "Falsch", fällt er ihr ins Wort. Doch dieser Satz aus dem Mund von Trump ist in einem Video dokumentiert. Clinton führt weiter aus, dass Donald Trump eine Frau, die am Schönheitswettbewerb "Miss Universum" teilgenommen habe, "Miss Piggy" nannte. Donald Trump fragt nach, wo sie das denn herhabe ("Where did you find it?"). Auch diese Anschuldigung existiert. Sie kommt von Alicia Machado und ist seit Monaten bekannt.

Die Aussage von Hillary Clinton stimmt also.

Clinton: "Donald glaubt, dass der Klimawandel eine Lüge ist und von den Chinesen erfunden wurde."

Diese Aussage bezieht sich vor allem auf einen Tweet, den Donald Trump 2012 absetzte, also vor Jahren. Wie die Faktenprüfer von Politifact schreiben, hat Trump in einem Interview im Januar erzählt, dass die Aussage "offensichtlich ein Witz" gewesen ist - zumindest der Teil, dass die Chinesen davon profitieren.

Dass Trump nicht an den Klimawandel glaubt, äußerte er in mehreren Tweets und auch während des Wahlkampfs, im Interview mit CNN.

Trump: "Ob es Russland war, ob es China war, ob es ein anderes Land war, wir wissen es nicht." (Zur Frage, wer das Democratic National Committee, die Parteizentrale der Demokraten, gehackt hat)

In den USA werden seit Monaten Daten geleakt, die Hacker von den Demokraten erbeutet haben. Seither gab es diverse Berichte von mehreren IT-Sicherheitsfirmen, die den Einbruch forensisch analysiert haben. Sie alle enden ihre Analyse damit, dass sie eine Hacker-Gruppe verantwortlich machen, die im Auftrag des russischen Staates handeln soll (Details hier). Erst kürzlich sagten Dianne Feinstein und Adam Schiff, zwei der hochrangigsten Politiker der Geheimdienstausschüsse ebenfalls, dass die Angriffe aus Russland kommen.

Doch es gibt bis dato keine offizielle Angabe der US-Regierung. Präsident Obama und seine Regierung sind anscheinend noch nicht bereit, in diesem Fall ein Urteil zu fällen. Öffentlich herrscht Stille. (Im Fall des Sony-Hacks zeigte Obama recht schnell mit dem Finger auf Nordkorea.) Das heißt: Von Wissen im Wortsinn kann derzeit nicht gesprochen werden.

Die Aussage von Donald Trump stimmt.

Trump wiederholt seinen Vorwurf, dass Clintons Wahlkampfteam 2008 das Gerücht gestreut habe, dass Obama nicht auf Hawaii geboren wurde.

Es gibt keinen einzigen Beweis dafür, dass Clintons Team irgendetwas mit Birthern - also Leuten, die Obamas Herkunft anzweifeln - zu tun hat. Das ist schlicht falsch. Und wurde auch schon oft widerlegt.

Trump erklärt außerdem, dass er selbst Obama gezwungen habe, die Geburtsurkunde 2011 publik zu machen. Auch dafür gibt es keinen Beweis.

Clinton: Trump will Steuererklärung verheimlichen

Anders als alle Kandidaten seit Jahrzehnten will Trump seine Steuererklärung nach wie vor für sich behalten. Warum, das konnte er nicht überzeugend begründen. Er behauptet, dass man mehr aus seinen bereits getätigten finanziellen Offenlegungen lernen könne als aus der Steuererklärung. Tatsächlich hat er 92 Seiten zu seinen Finanzen veröffentlicht. Das ist viel. Allerdings ist äußerst zweifelhaft, dass man daraus mehr lernen könne als aus einer Steuererklärung, wie die Faktenchecker von Politifact belegen.

Donald Trump: Hillary Clinton nannte TPP-Deal "Goldstandard"

Während der Debatte hat sich Donald Trump gegen mehrere Handelsbündnisse ausgesprochen: Nafta und TPP. In diesem Zug warf Trump seiner Rivalin vor, den TPP-Deal, das weltweit größte Handelsabkommen, als "Goldstandard" bezeichnet zu haben. Clinton entgegnete: "Ich habe gesagt, dass ich hoffe, es würde ein guter Deal werden."

Während einer Rede im Jahr 2012, Clinton war zu dieser Zeit Außenministerin, sagte sie aber wörtlich: "Dieses TPP setzt den Goldstandard für Handelsverträge."

Trump hat recht.

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